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Milde Temperaturen sind „zählbar“: Mehr Zugvögel beobachtet – Auch der Star als Vogel des Jahres häufiger gesehen – Meisen sind zurück

Hilpoltstein, 07.01.2018 – Vögel singen, Insekten fliegen, die ersten Blumen blühen. Die Auswirkungen der bisher milden Wintertemperaturen waren am Dreikönigswochenende bei der Stunde der Wintervögel sogar direkt zu beobachten. So zählten die Teilnehmer von Bayerns größter wissenschaftlicher Mitmachaktion im Vergleich zu den Vorjahren deutlich mehr Stare, Hausrotschwänze oder Bachstelzen. „Diese Kurzstreckenzieher sind normalerweise darauf angewiesen, den Winter im wärmeren Mittelmeerraum zu verbringen. Nun finden sie aber in der kalten Jahreszeit auch bei uns noch genügend Nahrung und sparen sich deshalb immer häufiger den gefährlichen Flug in den Süden“, erklärt Martina Gehret, Citizen-Science-Beauftragte des LBV. Nach dem Eingang von ungefähr einem Drittel der Meldungen zeichnet sich am Sonntagnachmittag eine gute Gesamtbeteiligung ab. So hatten dem LBV bis dahin knapp 8.500 Bayern über 180.000 Vögel gemeldet. Nach dem Einbruch im Vorjahr ist die Kohlmeise bei einer ersten Zwischenbilanz zurück an der Spitze und der am häufigsten beobachtete Vogel in Bayern. Dahinter liefern sich Feld- und Haussperling ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Sorgen macht den Naturschützern jedoch das schwache Abschneiden der Amsel, die hinter der Blaumeise auf den 5. Platz abrutscht. Noch bis zum 15. Januar können Teilnehmer dem LBV ihre Beobachtungen vom Wochenende schriftlich oder online melden unter www.stunde-der-wintervoegel.de.

Balzende Meisen, blühende Alpenveilchen und sogar fliegende Insekten. Von Winter ist in den meisten Teilen Bayerns bei den derzeitigen Temperaturen nicht viel zu spüren. So überrascht es auch nicht, dass immer mehr Zugvögel, die wie der Star zu den so genannten Kurzstreckenziehern gehören, lieber bei uns überwintern. Viele von ihnen warten bis zum Spätherbst und reagieren für den Sprung über die Alpen auf die aktuelle Wetterlage. „Bisher konnten sie in großer Zahl hierbleiben und wurden von vielen Teilnehmern beobachtet“, sagt Gehret. Dabei kratzt der Star an der Top 20 der häufigsten Vögel und wurde bisher im Verhältnis zum Vorjahr 60 Prozent häufiger gemeldet. Du Zuwächse bei Hausrotschwanz und Bachstelze liegen jetzt schon bei über 100 Prozent.

So profitiert der Vogel des Jahres von den gemäßigten Wintertemperaturen. „Die Stare, die in den vergangenen milden Winter nicht weggezogen sind, haben mehr oder fittere Junge bekommen. Diese bleiben nun auch hier und könnten sich so wiederum einen Vorteil bei der Fortpflanzung verschaffen“, so Martina Gehret. Diese Tendenz bestätigen auch die hohen Zahlen der anderen daheimgebliebenen Zugvögel, die neben Hausrotschwanz und Bachstelze auch noch bei Mönchsgrasmücke oder Heckenbraunelle zu beobachten sind.

Nachdem im Vorjahr die Kohlmeise aufgrund eines geringeren Zuzugs von Gästen aus Nord- und Osteuropa und wegen eines regional schwachen Brutjahres stark abgerutscht war, ist sie nun vorerst wieder Bayerns am häufigsten beobachteter Gartenvogel. Ob sie ihren Spitzenplatz vor dem Haussperling behaupten kann, ist aber noch nicht klar.

Das diesjährige Sorgenkind ist dagegen die Amsel. Der Vorjahresdritte ist zur Zwischenbilanz nur der fünfhäufigste Vogel, so schlecht wie seit 2014 nicht mehr. „Warum die Amsel trotz eines positiven Trends in den letzten drei Jahren nun wieder so abgestürzt ist, können wir derzeit noch nicht erklären“, sagt Gehret.

Markus Erlwein, LBV Pressesprecher
www.lbv.de