Weniger Kaffee durch Klimawandel?

Die Internationale Kaffeeorganisation (ICO) geht davon aus, dass die weltweite Kaffeebohnenproduktion in diesem Jahr auf 130 Millionen Sack (7,8 Millionen Tonnen) sinken wird. Im vergangenen Wirtschaftsjahr 2010/11 betrug die Ernte noch 133,6 Millionen Sack. Dir ICO begründet den Rückgang mit kleineren Ernten vor allem in Brasilien und Indonesien.

Wie im Tee-Anbau macht der Klimawandel inzwischen anscheinend ebenso den Kaffee-Bauern zu schaffen. Dies zeigt sich zumindest deutlich in Mexiko. „Steigende Temperaturen, weniger Regenfälle und zunehmende Wetterschwankungen haben dazu geführt, dass der Kaffeeanbau erschwert oder gar unmöglich gemacht wird“, so die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), die derzeit mexikanischen Kleinbauern hilft, die Folgen des Klimawandels besser zu bewältigen. Mexiko gehört zu den zehn größten Kaffee-Exporteuren der Welt. Das Hauptanbaugebiet ist die Regenwaldregion Chiapas, wo hochwertiger Arabica-Kaffee und vor allem fair-trade und Bio-Kaffee bislang die Existenz vieler Familien sichert. Doch die Einkommen sind gefährdet. „Durch den Regen und die Stürme ist unsere Ernte nicht nur geringer geworden, auch die Qualität des Kaffees leidet“, klagt ein Chiapas-Kaffeebauer.

Das Public-Private-Partnership-Projekt des fairtrade-Unternehmens Cafédirect und der GTZ hat den Chia-pas als eine von vier Pilotregionen weltweit ausgewählt, um die Anpassung an die Klimaveränderung zu bewältigen. Ein Problem: Da sich die Regenperioden verschoben haben, konnten die Bauern ihren Kaffee nach der Ernte im Januar und Februar nicht mehr in der Sonne trocknen. Die Lösung sind solarbetriebene Trockner. Ein weiteres Problem, so die GTZ, sei der Krankheitsbefall der Kaffeepflanzen, bedingt durch veränderte Regenzeiten und Temperaturschwankungen. Der Einsatz von Pestiziden in der Vergangenheit hatte die Situation nur verschlechtert. Die Kaffeebauern verwendeten deshalb heute nur noch biologische Pflanzenschutzmittel und biologische Düngung durch selbst hergestellten Kompost. Von diesen biologischen Anbaumethoden sind die meisten der Kaffeeplantagen Brasiliens, dem global wichtigsten Arabica-Produzenten, noch weit entfernt.

Bio-Kaffee kommt vor allem aus Mexiko

Brasilien, der größte Staat Lateinamerikas, ist zwar der weltweit mit Abstand größte Produzent von konventionellem Kaffee. Auf über 2,1 Millionen Hektar produzieren Brasiliens Klein- und Großbauern jährlich rund 2,6 Millionen Tonnen Kaffee. Das erheblich kleinere Mexiko indes ist Weltmarktführer bei biologisch angebautem Kaffee. Etwas mehr als zehn Prozent der Kaffee-Anbaufläche Mexikos wird heute biologisch bewirtschaftet. Mexiko produziert jährlich 30.000 Tonnen Öko-Kaffee auf fast 71.000 Hektar. Im riesigen Brasilien hingegen wächst Bio-Kaffee heute lediglich auf 13.000 Hektar, etwa 0,6 Prozent der gesamten Kaffeeanbaufläche des Landes. Der berühmte “Café-do-Brasil” ist deshalb weiterhin größtenteils wie seit Jahrzehnten mit hohen Pestizidbelastungen der Umwelt erkauft.

Brasilien ist Weltmeister im globalen Pestizidverbrauch. 2010 kippten die brasilianischen Landwirte und Großgrundbesitzer rund 1 Milliarde Liter “Pflanzenschutzmittel” auf Felder und Plantagen. Vor allem sind es die Soja-Plantagen, auf denen die Spritzmittel aus den Giftküchen der Chemie- und Pharmakonzerne landen. Doch auch Brasiliens Kaffee-Bauern greifen kräftig zu Kunstdünger und Giftspritzen. Der deutsche Konzern Bayer mit seiner Bayer CropScience verdient sich damit seit Jahren eine goldene Nase. Den konventionellen Kaffeefarmern Brasiliens bietet Bayer CropScience ein Giftarsenal von 15 verschiedenen zugelassenen Insektiziden, Fungiziden und Herbiziden. Und Bayer ist nicht der einzige „Gift-Konzern“ auf dem brasilianischen „Pflanzenschutzmarkt“.

Dass die Bayer-Gifte nicht per Kaffee-Bohne bei uns in der Kaffee-Tasse landen, liegt schlicht an der Verarbeitungskette der Kaffee-Frucht. So bleibt die Pestizidbelastung mehrheitlich in Brasilien.

Zertifizierter Kaffee ist immer noch eine Nische

Im vergangenen Jahr konsumierten die Bundesbürger 150 Liter Kaffee pro Kopf: 406.500 Tonnen Röstkaffee und 12.500 Tonnen purer löslicher Kaffee, so die Statistik des Deutschen Kaffeeverbands. Der Marktanteil von Kaffees aus nachhaltig zertifiziertem Anbau sei weiter gewachsen, doch blieb er auf niedrigem Niveau von nur drei Prozent des Gesamtmarktes.

„Der Marktanteil zeigt, dass zertifizierte Kaffees immer noch eine Nische sind. Es scheint, dass der Konsument bislang nicht bereit ist, einen Preisaufschlag für Nachhaltigkeit zu bezahlen“, resümiert der Deutsche Kaffeeverband. Umgekehrt kann man sagen, dass die großen Kaffee-Produzenten Brasiliens noch nicht bereit sind, auf Bio umzustellen und auf Bayer und Co. zu verzichten.

Norbert Suchanek, Rio de Janeiro

Kaffee macht nicht nur munter

Der deutsche Chemiker Ferdinand Runge isolierte 1820 den aufputschenden Wirkstoff Koffein aus der Kaffeebohne. Das im Kaffee enthaltene Koffein fördert wissenschaftlich untersucht die Freisetzung von aufmunternden Botenstoffen wie Dopamin, Serotonin und Endorphinen im Gehirn. Doch Kaffee ist mehr als nur ein Muntermacher. Eine herrlich duftende Tasse Espresso beispielsweise enthält mehr als 1000 weitere pflanzliche Substanzen wie Eiweiße, Fette, Mineralstoffe, Vitamine und sogenannte Antioxidantien, die uns gegen die Entstehung von Krebserkrankungen helfen können.

Laut einer jüngsten Studie der Harvard School of Public Health könne Kaffee möglicherweise auch Frauen vor Depressionen schützen. Die Studie ergab konkret, dass sich das Depressionsrisiko bei Frauen, die täglich zwei bis drei Tassen koffeinhaltigen Kaffee tranken, um 15 Prozent verringerte im Vergleich zu jener Gruppe, die höchstens eine Tasse des Koffeingetränks zu sich nahmen. Bei männlichen Depressionen allerdings hatte der Kaffee-Konsum keine Wirkung gezeigt.

Eine andere Studie wiederum zeigte, dass der Konsum von mehr als einer Tasse Kaffee am Tag, das Schlaganfallrisiko bei Frauen senkt. Das fanden Forscher des Karolinska-Instituts in Stockholm durch Langzeitbeobachtungen an rund 35.000 Frauen in Schweden heraus. Und auch gegen Darmkrebs scheint Kaffee die Frauen zu schützen, so japanische Wissenschaftler. Diesen positiven Effekt konnten die Forscher allerdings – wie bei den Depressionen – lediglich bei Frauen beobachten und nicht bei Männern.             

Norbert Suchanek