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Versteckte Wohngifte erkennen und vermeiden

Damit das eigene Heim gemütlich ist und der sich stets wandelnden Mode genügt, investiert jeder Deutsche aktuell rund 600 Euro jährlich für Möbel, Leuchten und Teppiche. Diese Ausgaben steigen zunehmend an und entsprechen damit der Entwicklung, die unsere Konsumgesellschaft seit Jahrzehnten prägt.

 Unsere Großeltern sparten jahrelang auf ein Möbelstück, ließen es vom Schreiner maßfertigen und vererbten es sogar. Heutzutage sind Einrichtungsgegenstände schnelllebige Konsumgüter. Sie bedienen die Sehnsucht, sich in den eigenen vier Wänden einzuigeln und die komplizierte Welt auszublenden. Die Wissenschaft spricht hierbei von Cocooning, das speziell große Lifestyle-Marken gerne aufgreifen und marketingtechnisch nutzen. Der Branchenprimus der Einrichtungshäuser, IKEA, hält aktuell zum Beispiel rund 13 Prozent Marktanteil in Deutschland und will diesen bis 2027 auf 25 Prozent ausbauen. Damit wird der Trend einhergehen, sein Zuhause mit überschaubarem finanziellen und organisatorischen Aufwänden passend zu jeder Lebenssituation einzurichten.
Möbel sind schon längst zu absoluter Massenware und Wegwerfartikel mutiert. Die Kehrseite: Je billiger das Produkt, desto stärker ist es in der Regel mit gesundheitsschädlichen Schadstoffen belastet. Verbraucherschützer sind sich einig, dass die aktuellen gesetzlichen Vorgaben nicht ausreichen, um die Gesundheitsverträglichkeit von Einrichtungsgegenständen zu garantieren. Oftmals geben die Trägermaterialien – Holz, Faser- und Spanplatten – schädliches Formaldehyd oder sogenannte VOC (engl. für flüchtige organische Verbindungen) ab. Vollholzmöbel bleiben übrigens nicht zwangsläufig unverschont, weil Terpene aus unbehandeltem Holz ausdünsten können. Zudem besteht die Gefahr durch Oberflächenbehandlungen, indem krebserregende Aldehyde oxidieren.
Zuletzt hat der Gesetzgeber die Richtwerte für krebserregende Stoffe in Möbeln im Jahr 1977 verschärft. Zwar reduzierten seitdem die allermeisten Hersteller die Konzentration von Aldehyden stetig. Jedoch sollte bedacht werden, dass sich die Ausdünstungen einzelner Möbelstücke im Haus summieren können. Der Trend zum Niedrigenergiehaus wandelt sich hier ins Negative: Vor allem in sehr gut gedämmten Häusern findet oftmals zu wenig Luftaustausch statt. Dementsprechend können negative Einflüsse auf die Gesundheit nicht ausgeschlossen werden. Der Verbraucherschutz empfiehlt deswegen, beim Möbelkauf auf Gütesiegel zu achten.

Vielzahl von Gütesiegeln – Wegweiser im Dschungel des Möbelkaufs

Die Welt der Gütesiegel ist eine komplexe Angelegenheit – so auch für Möbel. Das wohl bekannteste Zertifikat ist der in den siebziger Jahren eingeführte „Blaue Engel“. Dessen Vergabe verläuft sowohl unter Beteiligung des Bundesumweltamt als auch des Bundesministeriums für Umwelt und Naturschutz. Die Möbelbranche selbst vergibt mit dem „Goldenen M“ ihr eigenes Gütesiegel. Sowohl der Blaue Engel als auch die Gütergemeinschaft Möbel e.V. legen höchsten Wert auf die Verwendung von Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft und gesundheitlich unbedenkliche Möbel. Das Goldene M berücksichtigt darüber hinaus Nachhaltigkeitsaspekte bei der Produktion und dem Transport.
Einige Möbelhändler haben sich unter dem Dach eines Verbandes mit eigenem Siegel zusammengeschlossen: Die ÖkoControl Gesellschaft für Qualitätsstandards vereint circa 50 größere und kleinere Händler. Das Ziel der ÖkoControl ist es, Verbrauchern, Händlern und Herstellern mehr Sicherheit beim gesunden Einrichten zu geben. Gelistet wird nur, was den verbandseigenen Nachhaltigkeits-Kriterien hinsichtlich Materialien, Herkunft und Produktion der Möbel entspricht. Darüber hinaus werden viele Möbel, Matratzen und Bettwaren bei unabhängigen Prüfinstituten auf Schadstoffe kontrolliert. Sie sind am grünen ÖkoControl-Siegel erkenntlich.

Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser

Der Vielzahl von Gütesiegeln und Zertifikaten ist das Bestreben gemein, Vertrauen in die Nachhaltigkeit der Marke beziehungsweise in die dahinter stehenden Menschen zu schaffen. Dieses Vorgehen bietet Herstellern, Händlern und Käufern gleichermaßen Halt und Schutz – insbesondere auf einem derart großen, unübersichtlichen Markt wie der Massenware Möbel.
Die Trumpfkarte Vertrauen kann jedoch eine weitere Gruppe spielen: Kleine Manufakturen kommen oftmals ganz ohne Siegel aus. Ein Beispiel hierfür ist das Label Signet aus Hochstadt am Main, das seit über 20 Jahren Möbel im Zeichen der Ganzheitlichkeit fertigt: Sämtliche Rohstoffe und Produktionsschritte unterliegen dem Anspruch, ein Höchstmaß an Ehrlichkeit, Gerechtigkeit und Verantwortungsbewusstsein zu erfüllen. Der Designer Nils Moormann aus dem Chiemgau legt ebenfalls großen Wert auf ökologische Aspekte: Seine Möbel sollen die Besitzer ein Leben lang begleiten.
Die Suche nach kleinen Herstellern des Vertrauens ist sicherlich ein gangbarer Weg im Dschungel des Möbelkaufs. Wer eine größere Palette zur Auswahl von Öko-Möbeln sucht, aber zwischen all den Gütesiegeln den Überblick zu verlieren droht, findet auf die Webseite von lable-online.de Abhilfe. Alleine zur Rubrik „Bauen und Wohnen“ werden 175 Gütesiegel vorgestellt – reichlich Auswahl also, um gemütlich zu Hause den nächsten Möbelkauf zu planen.

Stephan Wild