header spatz

Renovieren Fotolia 93556582 M

Nicht jeder kann gleich ein ganzes Haus kaufen, in Ballungsräumen ist für viele bereits der Wohnungskauf eine große Investition. Manche haben Glück und erben eine Immobilie. Die meisten Menschen haben nach dem Erwerb einer Wohnung das Bedürfnis, diese ihren Vorstellungen entsprechend zu verändern und zu renovieren. Zentrale Themen sind dabei meistens ein neues Bad, neue Bodenbeläge, neue Farbe an der Wand, häufig auch neue Fenster, eine neue Küche, neue Heizkörper oder gar kleinere Dämmmaßnahmen. Immer öfter geht es auch um die zukünftige Barrierefreiheit einer Wohnung für das Alter und um ökologische Produkte.

Planung der Renovierung

Vor allem kleinere Firmen haben sich auf Wohnungssanierungen spezialisiert und bieten die Arbeiten oft aus einer Hand an. Wir empfehlen dennoch die Hinzuziehung eines Fachmanns für die Planung der Sanierungsschritte und zumindest die Angebotsprüfung, da die meisten Handwerksfirmen nicht auf Planungsaufgaben spezialisiert sind. Gerade die Planung ist jedoch ein wichtiger Faktor, um die späteren Kosten zu beeinflussen, so dass auch für eine Renovierung eine Planung mit Kostenschätzung sinnvoll sein kann. Ggf. kann eine Ausschreibung und Ausführungsüberwachung durch einen Ingenieur sinnvoll sein. Die Einschaltung solcher Fachleute ist nicht erst bei ausgefallenen Designwünschen von Vorteil. Eine am vorhandenen Budget orientierte Planung der Arbeitsschritte kann auch bei auf den ersten Blick einfachen Renovierungen vor Kostenüberraschungen schützen. Handwerker schreiten schnell zur Tat und unüberlegte Baumaßnahmen und nachträgliche Änderungen können sehr teuer werden, so dass man ohne Änderungen und einer bezahlten Planung günstiger gefahren wäre. Man sollte sich deshalb vorher im Klaren sein, wie viel Aufwand man sich wirklich leisten kann. Haben die Arbeiten erst einmal begonnen, sind Korrekturen bei den Kosten nur noch in kleinem Umfang möglich.

Fördergelder

Vorteil fachmännischer Unterstützung ist auch die Berücksichtigung evtl. Fördergelder, die es z.B. unter bestimmten Voraussetzungen für den Fenstertausch oder bei der Schaffung einer barrierefreien Wohnung durch die KfW-Bank gibt (Förderprogramme 430 bzw. 159). Für die Herstellung einer barrierefreien Wohnung stehen vergünstigte Kredite von bis zu € 50.000 pro Wohnung zur Verfügung, bei einem Fenstertausch werden bei Einhaltung der Mindestvoraussetzungen 10% der Kosten übernommen. Auch die Schaffung einer barrierefreien Wohnung verstehen wir als ökologische Maßnahme, da es im Alter Kosten und Ressourcen sparen hilft, wenn man länger in den eigenen vier Wänden bleiben kann.

Dämmung

Da man es als Wohnungsbesitzer häufig nicht in der Hand hat, wie das Gebäude gedämmt ist, kann es sich gerade bei älteren Gebäuden im Rahmen einer anstehenden Sanierung empfehlen, über Innendämmungen nachzudenken. Grundsätzlich sind Innendämmungen nicht so effektiv wie Außendämmungen und tragen nur mäßig zu geringerem Energieverbrauch bei, können jedoch bei richtiger Planung und Ausführung bei schlecht gedämmten Altbauten zukünftigen Problemen mit Schimmel vorbeugen. Die KfW-Bank etwa fördert den Fenstertausch nur, wenn die Außenwände nicht schlechter gedämmt sind als die zukünftigen Fenster, da es ansonsten schnell zu Schimmel an den Wänden kommt. Der Einbau z.B. von Calziumsilikatplatten kann Abhilfe schaffen und durch höhere Oberflächentemperaturen der Außenwände im Winter mehr Behaglichkeit schaffen. Bei Dachwohnungen sind die Möglichkeiten der Dämmung von innen an den Dachschrägen größer, sollten jedoch aufgrund potenzieller Fehler mit Unterstützung von Fachleuten geplant werden.

Elektrosmog

Auch Abschirmungen gegen elektromagnetische Strahlungen (Elektrosmog) sind im Rahmen einer Wohnungssanierung möglich. Hierbei ist die Einschaltung eines messtechnisch versierten Baubiologen sehr zu empfehlen. Es stehen Abschirmfarben, -gewebe, -putze und -tapeten zur Verfügung, so dass grundsätzlich eine Abschirmung von Böden (unterhalb des Bodenbelags), Wänden und Decke möglich ist. Die Elektroinstallation wird gelegentlich im Rahmen einer Wohnungssanierung erneuert. Sollte dies der Fall sein, ist aus baubiologischer Sicht der Einbau von abgeschirmten Kabeln sinnvoll, um elektrische Felder in der Umgebung von In-stallationen zu reduzieren. Der Einbau von kostengünstigen Netzfreischaltern im Sicherungskasten kann auch ohne Leitungserneuerung die Felder reduzieren, da diese einen Stromkreis (z.B. für die Schlafräume) stromlos schalten, sobald dort kein Strombezug mehr vorhanden ist. Nach unserer Erfahrung sind solche Maßnahmen wertsteigernd, da das allgemeine Bewusstsein für elektromagnetische Belastungen wächst.

Beläge

Da man es bei einer Wohnungsrenovierung vor allem mit Oberflächen zu tun hat, mit denen man in täglichem Kontakt steht, sind Überlegungen die Renovierung möglichst ökologisch durchführen zu lassen, sicher berechtigt, um nachteilige Wirkungen auf die Innenraumluft und das Wohnklima zu vermeiden. In jedem Fall empfehlen wir zu Beginn eine baubiologische Sichtung des Bestandes, da v.a. in Altbauten problematische Stoffe wie z.B. Asbest, Holzschutzmittel etc. vorhanden sein können, die im Rahmen der Sanierung entfernt werden können. Ökologische und emissionsarme Produkte für Böden, Möbel und Anstriche sind in der Regel dauerhafter und wertbeständiger, so dass die häufig höheren Anschaffungskosten schnell aufgewogen werden. An Stelle eines Laminats mit einer sich häufig elektrostatisch aufladenden Kunststoffoberfläche und unvermeidbaren Emissionen empfehlen wir folglich geöltes Massivparkett, das man schwimmend verlegen kann. Da ein Massivholzboden ein natürliches Produkt ist, sind allerdings gewisse Bewegungen des Holzes, z.B. ein leichtes Schüsseln der Holzdielen, oder Fugenbildung nicht zu vermeiden. Auch Fliesen, Linoleum, Kork, Sisal oder ein Wollteppich sind natürliche Alternativen für den Boden. Bei Wollteppichen sollte man unbehandelte Produkte vorziehen und sich im Klaren sein, dass Naturfasern anfällig gegen Schädlinge sind, was viel mit einer ohnehin zu empfehlenden regelmäßigen Raumpflege und ausreichendem Lüften zu tun hat.

Lüftung

Hohe Feuchtigkeit in den Räumen fördert nicht nur Schimmel, sondern macht auch Insekten das Leben leichter. Wir empfehlen deshalb v.a. im Winter die Luftfeuchte unter 55% r.F. zu halten, was durch bewusstes Lüften problemlos möglich ist. Mit einem Hygrometer hat man die Luftfeuchte immer im Blick. Digitale Geräte sind dabei vorzuziehen. Je nach Komfortansprüchen können im Rahmen einer Wohnungsrenovierung auch Lüftungsgeräte eingebaut werden. Diese werden ebenfalls durch die KfW gefördert. Neben zentralen Anlagen, die z.B. an der Flurdecke installiert werden können und von dort aus die einzelnen Räume versorgen, sind auch dezentrale Geräte empfehlenswert, die direkt in die Außenwand der Aufenthaltsräume eingebaut werden. Mit den meisten Lüftungsgeräten kann Abwärme zurückgewonnen werden, so dass neben dem Vorteil einer guten und nicht zu feuchten Luft auch Heizwärme eingespart wird.

Heizung

Die Erneuerung der Heizung wird bei einer Wohnungssanierung eher die Ausnahme sein. In jedem Fall empfiehlt sich im Falle von Heizkörpern die Anschaffung von möglichst großflächigen Elementen (Niedertemperatur-Plattenzheizkörpern), um die Beheizung der Wohnung mit möglichst niedrigen Oberflächentemperaturen zu erreichen. Dies spart Energie und erhöht die Behaglichkeit, da durch hohe Temperaturen Luftverwirbelungen am Heizkörper verstärkt werden und es zu schädlichen Schmorvorgängen bei Hausstaub kommen kann. Wandheizungen wären grundsätzlich aus baubiologischer Sicht die ideale Beheizung und können auch Wärmeverluste reduzieren, sind jedoch bei Wohnungssanierungen selten zu realisieren.

Putze, Farben

Sollten im Rahmen der Renovierung auch Wände neu verputzt werden, wäre evtl. die Verwendung eines Lehm- oder Kalkputzes eine ökologische Alternative. Lehm ist ein sehr hygroskopischer Baustoff, der durch seine poröse Oberfläche auch luftverbessernd wirkt, sofern er nicht durch einen falschen Farbanstrich verschlossen wird. Aber auch konventionelle Kalkgipsputze sind im Rahmen einer Wohnungssanierung sicherlich akzeptabel. In der Regel wird es lediglich um Ausbesserungen, z.B. nach Einbau von Elektroleitungen, gehen. Als Farben empfehlen wir diffusionsoffene Anstriche z.B. mit Kalk- oder Silikatfarben. Diese haben meist ein etwas unregelmäßigeres Bild, was wir jedoch eher als belebend denn als Nachteil empfinden. Diffusionsoffene Anstriche lassen Luftfeuchtigkeit in den Putz eindringen und fördern so einen klimatischen Ausgleich in der Wohnung.

Fazit

Auch bei einer Renovierung ist die Hilfe von Fachleuten und eine vorherige Planung empfehlenswert. Dies hilft unter dem Strich Kosten zu sparen und ein gutes und vor allem dauerhaftes Ergebnis zu erzielen. Ökologische Baustoffe stehen im Innenausbau in großer Anzahl zur Verfügung.

Thomas Schilling, Dipl.-Ing., Architekt

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------
Das Planungsbüro Schilling in München ist ein Architekturbüro mit Schwerpunkt ökologischem Wohnbau, Energieberatung und Baubiologie. Das Büro ist anerkannte Beratungsstelle des Instituts für Baubiologie in Neubeuern. Die Spezialisierung des Büros garantiert den Kunden eine hohe Kompetenz und Planungssicherheit. Dipl.-Ing. Thomas Schilling ist nicht nur planend tätig, sondern bietet auch ein umfangreiches Beratungsprogramm. Infos unter www.pb-schilling.de Telefon 089 74747891