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Kaffee

Es ist schwarz, tief schwarz – und schmeckt recht bitter. Zudem ist es überall auf der Welt äußerst beliebt. Viele Menschen sind sogar süchtig nach dem wohlduftenden, psychotropen und koffeinhaltigen Heißgetränk. Wie sich wohl jeder mittlerweile denken kann: hier geht es um Kaffee. Allerdings nicht irgendeinen Kaffee. Kaffee ist nicht gleich Kaffee. Bei dem Heißgetränk sollte man auf Herkunft und Produktion achten. Da gibt es große, feine und vor allem faire Unterschiede.

Was ist eigentlich fair gehandelter Kaffee?

Ökologische Landwirtschaft ist zwar nicht vorgeschrieben, doch verschiedene Pestizide sind im Anbau untersagt – wie zum Beispiel bei „Fairtrade“ und „GEPA“. Deren Produkte tragen zu etwa 65 Prozent auch noch ein Bio-Siegel. Das heißt: keine Gentechnik – und die meisten chemischen Substanzen sind verboten. Laut Fairtrade wird 80 Prozent des Kaffees von 25 Millionen Kleinbauernfamilien produziert, die weniger als 10 Hektar Land besitzen. Durch fairen Kaffee werden gerechte Handelsbeziehungen und bessere Arbeitsbedingungen für die Bauern erreicht, sodass sie nicht von lokalen Händlern in Afrika, Südamerika oder Asien abgezockt werden können. Außerdem sind die Produzenten nicht den oft stark schwankenden Weltmarktpreisen ausgesetzt, sondern erhalten garantierte Festpreise. Fairer Handel unterstützt den kleinbäuerlichen Anbau und lokale Organisationsstrukturen, sorgt für Mitarbeiterausbildung, stärkt die Verhandlungsposition der Bauern und verringert dadurch Kinderarbeit. Auch „Original Food“ (www.originalfood.coffee) aus Freiburg im Breisgau oder „Orang Utan Coffee“ (www.orangutan.coffee) aus der Schweiz setzen sich ebenso für Umwelt, Tiere sowie die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Kaffeebauern ein.

Fairer Kaffee ist angesagt

Die Zeiten, in denen fairer Kaffee nur in Weltläden und Bioläden verkauft wurde, sind längst vorbei. Supermärkte und Discounter haben ihn ebenso im Angebot. Der Anteil von Kaffees aus zertifiziert nachhaltigem Anbau beträgt etwa acht Prozent in Deutschland – Tendenz steigend. In keinem anderen Land der Welt nimmt der Konsum von Fairtrade-Kaffee so rasant zu wie hierzulande. Um die 150 Liter des schwarzen Heißgetränks konsumieren die Deutschen pro Kopf durchschnittlich im Jahr. Nach Großbritannien ist Deutschland der weltweit zweitgrößte Absatzmarkt für fair gehandelte Waren.

2,8 Milliarden Becher

Auch die großen Kaffeeketten- und -häuser aus den USA und Deutschland bieten fairen Kaffee an. Man sollte allerdings nicht nur darauf achten, dass das die Bohnen nachhaltig produziert werden. Auch jeder einzelne Kaffeetrinker ist gefordert. Denn: Pro Jahr gehen nach den Berechnungen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) allein in Deutschland 2,8 Milliarden Kaffee-Einwegbecher über die Theke. Das ergibt jährlich mehr als 40.000 Tonnen Müll. Aneinandergestellt würden diese Becher siebenmal die Erde umrunden. Außerdem müssen dafür 43.000 Bäume jährlich für die Produktion der Kaffeebecher gefällt werden – und für deren Herstellung benötigt man zusätzlich 1,5 Milliarden Liter Wasser. Doch es geht auch anders: In Freiburg, Tübingen, Rosenheim und Hamburg gibt es bereits Mehrweg-Systeme für Kaffeebecher.
Und auch in München. Etwa 190 000 Becher werden da jeden Tag weggeworfen. Das Start-up „Recup“ versucht seit Mai 2017, ein Pfandsystem für Kaffeebecher einzuführen. Das Prinzip: Man kann die Tassen in einem Café mitnehmen und in einem anderen wieder abgeben. Die meisten Stationen finden sich im Glockenbachviertel und rund um die Universität. Es gibt dazu sogar eine entsprechende App, die anzeigt, welche Cafés oder Bäckereien die Pfandbecher befüllen.
https://itunes.apple.com/de/app/recup-return-reuse-recycle/id1236343953?mt=8

Kaffee aus Filtern

Frisch geröstet, gemahlen und gebrüht – so tröpfelt der Kaffee in der heutigen Zeit in die Tasse. Der gute alte Filterkaffee ist ziemlich out, spielt oft nur noch in der Küche von Oma und Opa eine Rolle. Dabei ist diese über 100 Jahre alte Filter-Tradition, was die Entsorgung betrifft, ein echter Umweltengel. Denn die gebrauchten Filtertüten zerfallen mit der Zeit von selbst im Biomüll oder dem Komposthaufen. Um die 0,2 Gramm Abfall gehen auf eine ganze Tasse Kaffee.

Schnell und schädlich: Pads und Kapseln

Die sogenannten Pad-Kaffeemaschinen gelten als sehr praktisch, da man sich nicht mehr um die Dosierung zu kümmern braucht und damit die Zubereitung einfach und schnell geht. Knapp 40.000 Tonnen Zellstoff-Pads, Kunststoff- oder Aluminium-Kapseln werden pro Jahr in Deutschland verkauft.
Doch die Umweltbilanz der Kapseln sieht ziemlich schlecht aus. Die häufig aus Aluminium gefertigten Kapseln verfallen nicht auf natürliche Weise. Ein Kilogramm des Leichtmetalls wird gebraucht, um etwa 1.000 Kapseln herzustellen. So werden jährlich für Kaffeekapseln sechs Millionen Kilogramm Aluminium benötigt. Und für dessen Produktion wird Bauxit abgebaut, Regenwald abgeholzt und werden Landschaften zerstört. Außerdem entsteht giftiger Rotschlamm. Im Klartext: insgesamt eine Umweltkatastrophe!

Nachhaltiger Kaffee in München

Neben all den großen und traditionsreichen Kaffeehäusern gibt es in München auch viele kleine, feine und nachhaltige Röstereien – wie gangundgäbe (www.gangundgaebe.de), Schneid (www.schneid-kaffee.de), coffeemamas (www.coffeemamas.de), Fausto (www.caffe-fausto.de) oder Mahlefitz (www.mahlefitz.de). Einfach mal vorbeischauen, hinsetzen und eine Tasse fairen Kaffee genießen.

Sebastian Schulke