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Trink Spatz

Mehr Transparenz, weniger Nitrat

Es sprudelt, es plätschert, es fließt und es zischt – die Rede ist vom Wasser. Ohne Übertreibung ist es das mit Abstand wichtigste und elementarste Lebensmittel auf unserer Erde. Nicht nur für den Menschen, sondern für jedes Lebewesen. Jedes Tier, jede Pflanze braucht und trinkt Wasser. Doch der intelligente Zweibeiner, also der Mensch, achtet nicht sonderlich auf das äußerst kostbare Gut.

 Er sieht Wasser vielmehr als etwas ganz Normales und Alltägliches an. Schließlich sprudelt es, besonders in Europas doch so zivilisierten und industrialisierten Gesellschaften, schier endlos aus den Leitungen. Gerade in München ist man stolz auf sein Trinkwasser, das aus dem Alpenvorland kommt und so unglaublich sauber und rein ist.
Doch die reinen Wasserquellen in den Bergen sind nicht alles. Umweltpolitiker Harry Scheuenstuhl, der Mitglied der SPD und des Bayerischen Landtags ist, fordert einen besseren Schutz der Gewässer und des Grundwassers in Bayern. Denn: „Der ökologische Zustand unserer Flüsse, Bäche und Seen hat sich in den letzten acht Jahren weiter deutlich verschlechtert.“ So würden 85 Prozent der gut 80 bayerischen Fischarten auf der Roten Liste der bedrohten Arten stehen – wie Aal, Äsche, Bachforelle oder Neunauge. Nur 15 Prozent der bayerischen Gewässer sind derzeit nach Angaben der Staatsregierung in einem „guten ökologischen Zustand“.

Auch die Qualität des Grundwassers leidet und lässt erheblich nach. Momentan erfüllen rund 32 Prozent des bayerischen Grundwassers nicht die Anforderungen eines „guten Zustands“ im Sinne der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie. Und das Landesamt für Umweltschutz schätzt: Bis 2021 wird sich die Situation noch einmal deutlich verschlechtern. Dann werden fast 40 Prozent des bayerischen Grundwassers belastet sein – und zwar durch das in der intensiven Landwirtschaft in Unmengen eingesetzte Nitrat in den Düngemitteln – wie Gülle und Kunstdünger.
Daran wird auch wohl der sogenannte Wasserpakt nichts ändern. In ihm bekennen sich die Bayerische Staatsregierung, der Bauernverband und weitere elf Unterzeichner zu einem besseren Schutz der Gewässer durch Förderprogramme, Beratungen und Schulungen. Allerdings: Das Ganze läuft auf freiwilliger Basis.

Der Bund Naturschutz (BN), den die Initiatoren des Wasserpakts stark umworben hatten, hält rein gar nichts von dem umweltfreundlichen Freiwilligendienst und hat sich verweigert. Die Europäische Union klagt sogar vor dem Europäischen Gerichtshof: Ihr reichen die Bemühungen von Bund und Ländern um den Gewässerschutz nicht aus. Denn zu viel Nitrat schadet nicht nur Flora und Fauna, sondern auch dem Menschen. Es steht im Verdacht, Krebs auslösen zu können.
Umso wichtiger ist es, dass viele Hersteller von Mineralwasser sehr genau darauf achten, dass das sprudelnde oder stille Getränk in der Flasche auch tatsächlich rein und sauber ist – nicht durch Nitrat, Rückstände von Medikamenten oder Keime belastet und verunreinigt wird. Die Qualitätsgemeinschaft Biomineralwasser e.V. beispielsweise setzt sich seit 2008 für einen behutsamen Umgang mit unserem wichtigsten Lebensmittel ein. Sie wacht über die Richtlinien für das Qualitätssiegel „Bio-Mineralwasser“ und sensibilisiert Branche und Verbraucher für die Problematik der zunehmenden Wasserverschmutzung. Zu der Gemeinschaft zählen unter anderem die Bio-Anbauverbände Bioland, Demeter und Naturland. Um das Qualitätssiegel zu erlangen, müssen Mineralbrunnen über 45 streng gefasste Kriterien erfüllen. Es verpflichtet die Betriebe zur aktiven Förderung des Wasserschutzes, einer absolut nachhaltigen Bewirtschaftung ihrer Quellen, der Einhaltung sozialer Standards und größter Transparenz gegenüber dem Verbraucher. Damit nicht genug: Unabhängige Experten haben die Richtlinien erarbeitet, die laufend an neue wissenschaftliche Erkenntnisse angepasst werden. Deren Einhaltung wird von einer Bio-Kontrollstelle überwacht.

Hohe und äußerst sinnvolle Richtlinien, die nicht nur der Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser wichtig sind, sondern vielen anderen Herstellern ebenso. Deutschland ist bekannt für die ausgezeichnete Qualität seines Mineralwassers, das ändert jedoch nichts am Zustand des Grundwassers. Auch da dürfen keinerlei Abstriche gemacht werden. Laut dem Bayerischen Landesamt für Umwelt liefert das Grundwasser über 90% des Trinkwassers in Bayern. Aus versickernden Niederschlägen wird Grundwasser ständig neu gebildet und im porösen Untergrund bevorratet.
Und so sollte es nicht nur Mineralwasserherstellern wichtig sein, auf die Reinheit unseres Grundwassers zu achten, sondern genauso auch den Städten, Gemeinden und Kommunen. Die Stadtwerke München (SWM) haben dabei eine ganz besondere Methode, um die Qualität des Trinkwassers zu sichern. Direkt aus dem bayerischen Voralpenland kommt das kostbare Nass für die bayerische Hauptstadt – aus drei verschiedenen Gewinnungsgebieten: dem Mangfalltal, der Schotterebene und dem Loisachtal. Sie nutzen Fische als sensible Überwacher der Wasserqualität. Wie das? Saiblinge und Bachforellen werden als Jungtiere in spezielle Aquarien gesetzt. Die Becken sind an strategisch wichtigen Standorten der SWM-Wasserversorgung platziert und werden mit frischem Trinkwasser versorgt. Die Fische reagieren auf kleinste Verunreinigungen und sorgen dafür, dass Münchens Wasserqualität gut und hoch bleibt. Ein Zusammenspiel zwischen Mensch, Tier und Natur, das das Wasser sauber und rein sprudeln lässt.

Sebastian Schulke