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Das schadstofffreie Haus

„Ich möchte kostengünstig bauen und trotzdem alles richtig und ohne Kompromisse machen. Hierzu gehört für mich auch ein gutes und gesundes Raumklima und eine energiesparende Bauweise. So schwer kann das doch nicht sein. Sagen Sie mir doch bitte einfach, auf was ich achten muss“, so kürzlich ein Bauherr, der sein Haus sanieren und aufstocken möchte.

Tja, wenn es nur so einfach wäre. Bauen ist heute ein höchst komplexer Vorgang: Niemand möchte auf (Haustechnik-)Komfort verzichten. Zahlreiche Bauvorschriften sind zu beachten. Energiesparend soll es auch sein... Mit gesundem Menschenverstand macht man oft schon vieles richtig, doch darauf alleine sollte man sich nicht verlassen, auch deshalb nicht, weil heute viele Planer, Ingenieure und Handwerker nicht mehr wissen, wie man mit einfachen Mitteln sowie „gesunden“ Baustoffen eine dauerhafte Qualität erreicht, die auch baubiologischen und nachhaltigen Kriterien genügt. Umso mehr ist man als Bauherr gut beraten, sich bestmöglich zu informieren oder noch besser, sich jemand mit einem fundierten baubiologischen Wissen zu suchen, die/der das zu sanierende oder zu bauende Projekt von den ersten Überlegungen bis zur endgültigen Fertigstellung und darüber hinaus (Anleitungen zum richtig heizen, lüften, pflegen, warten etc.) betreut und hilft, die richtigen Weichen zu stellen.

Hierzu folgende Tipps:

Die sich seit über 30 Jahren bewährten 25 Grundregeln der Baubiologie (www.25grundregeln.baubiologie.de) als Checkliste nutzen.
Bei Sanierungen genaue Ist-Zustandsanalyse und Klärung notwendiger Sanierungsmaßnahmen: Wurden gesundheitsgefährdende Stoffe verbaut? Gibt es Probleme mit Schimmel und/oder Elektrosmog? Wie ist der Zustand der Haustechnik?
Wenn es um die Auswahl von Baustoffen geht, am besten soweit wie möglich auf natürliche unverfälschte Materialien setzen. Mit unverfälscht ist gemeint, dass diese keine mehr oder weniger fragwürdige Materialien, wie Brandschutzmittel, Kleber, Weichmacher oder Lacke enthalten und zumindest im Innenausbaubereich diffusionsoffen und feuchteausgleichend sind. Auch heute kann man gute Häuser aus Vollholz, Kalk, Lehm (ungebrannt oder auch gebrannt als Ziegel) und Glas bauen. Ganz besonders wichtig ist die entsprechende Auswahl der Farben und Oberflächenbehandlungsmittel im Innen-bereich.
Bezüglich Wärmedämmung ist das Jagen nach den besten Dämmwerten nicht immer sinnvoll. Es gibt wirtschaftlich ratsame Grenzen. Diese liegen für Außenwände oder Dächer bei rund 20 Zentimeter Wärmedämmung. Sinnvoll dagegen ist eine professionelle Wirtschaftlichkeitsberechnung durch unabhängige und möglichst auch baubiologisch geschulte Energieberater, ganz besonders, wenn das Finanzbudget begrenzt ist. Dabei kann sich z.B. ergeben, dass der Einbau einer besseren Heizungsanlage, von Sonnenkollektoren oder einer Photovoltaikanlage wirtschaftlicher ist als mehr Dämmung. Geeignet sind mineralische und pflanzliche Dämmstoffe, wobei auch hierzu darauf zu achten ist, ob und welche Zusätze (z.B. als Brandschutzmittel, Kleber) enthalten sind.
Bei der Haustechnik gilt der Grundsatz „weniger ist mehr“. Für die Beheizung der Räume schaffen Wandheizungen ein unvergleichlich gutes Raumklima. Bei niedrigem Heizbedarf und entsprechend niedrigen Vorlauftemperaturen kann man aber auch eine Fußbodenheizung oder Heizkörper empfehlen. Selbstverständlich sind heute, soweit wie möglich erneuerbare Energien zu nutzen. Als Trinkwasserleitungen empfehlen sich Rohre aus Edelstahl. Für die Elektroinstallation sollten Maßnahmen zur bestmöglichen Reduzierung des Elektrosmogs getroffen werden, hierzu zählen z.B. abgeschirmte Kabel, Feldfreischalter und der weitgehende Verzicht auf Funktechnik.
Zudem lohnt es sich, auf gute Beleuchtungsverhältnisse zu achten. Auch die Art und Weise der Lüftung ist zu klären: Häuser – auch richtig sanierte Häuser – sind heute fast so dicht wie eine Plastiktüte und das ist gut so. Denn so hat man die Möglichkeit, soviel zu lüften wie nötig (Hygiene, Luftqualität, hinauslüften von Feuchtigkeit...) und so wenig zu lüften wie möglich (Energieeinsparung). Alleine auf manuelles Lüften zu setzen, ist heute nicht mehr zeitgemäß, zumal hier viele Fehler gemacht werden. Manche lüften zu wenig, andere zu viel; dies erklärt bis zu 5-fache Heizverbrauchsunterschiede in identischen Wohnungen oder Häusern. Empfehlenswert sind einfache Abluft-Lüftungsanlagen, Einzelraumlüftungsgeräte mit Wärmerückgewinnung oder auch gut geplante und richtig eingebaute zentrale Lüftungsanlagen.
Bei jedem Gebäude sollte zudem auf ausreichend große Fenster, also viel natürliches Licht, guten Schallschutz (auch innerhalb des Gebäudes einschl. der Haustechnik), eine gute Raumaufteilung und Berücksichtigung architekturpsychologischer Erkenntnisse bezüglich Raumgrößen, Formen und Farbauswahl geachtet werden. Zeitgemäß ist eine barrierefreie Ausführung, damit man auch nach Eintreten körperlicher Beeinträchtigungen nicht ausziehen muss.
Last but not least ist es wichtig, dass man auch baubiologisch geschulte und erfahrene oder zumindest dafür aufgeschlossene Handwerker beauftragt. Denn wenn Handwerker Leistungen ausführen sollen, die sie nicht kennen oder gar ablehnen, ist Ärger meist vorprogrammiert. Gut ist es oft auch, Handwerker aus der Region zu beauftragen. Diese sind im Gewährleistungsfall nicht über alle Berge und bei Bedarf auch während der Bauzeit schnell mal zur Stelle. Zudem tut man auch damit etwas für die Umwelt, schließlich kann dies tausende Kilometer Fahrstrecken einsparen helfen.

Noch ein Wort zu den Baukosten

Konsequent baubiologisches Bauen ist je nach Bauweise und Komfortansprüchen 5 bis 15 % teurer. Oft lassen sich durch Sparen an anderer Stelle (z.B. Hausgröße, Haustechnik) diese Mehrkosten gut einsparen. Erst recht amortisieren sich diese Mehrkosten mittel- bis langfristig, denn eine qualitätsbewusste, energiesparende und nicht zuletzt „gesunde“ Bauweise spart Monat für Monat Kosten und bringt zudem mehr Lebensqualität und Lebensfreude.

Winfried Schneider, Architekt
Institut für Baubiologie + Nachhaltigkeit
www.baubiologie.de
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Kleine Baustoffauswahl (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):
Natürlich und unverfälscht / geruchsneutral oder angenehmer Geruch ohne Abgabe von Giftstoffen / natürliche Regulierung der Raumluftfeuchte / geringe Neubaufeuchte / energiesparende Bauweise / gute Ökobilanz / ...

  • Wände: Vollholz, Lehm- und Kalkprodukte, Ziegel, Porenbeton ...
  • Wärmedämmung: Hanf, Flachs, Holzweichfasern (ohne PU-Leim), Holzspäne, Schilf, Seegras, Stroh, Zellulose, Kalziumsilikat, Mineralschaum,
  • Perlite, Dämmputze (ohne organische Zuschläge z.B. aus Polystyrol), Schaumglas ...
  • Schalldämmung (z.B. in Fußböden): Kokosfasern, Holzfasertrittschalldämmplatten ...
  • Fußböden: Trockenaufbauten, Vollholzparkett oder –dielen, Fliesen, Natursteine, Linoleum (ohne PVC-Beschichtung), Kork, unbehandelte Schaf- und Baumwollteppiche ...


Mehr Infos: www.baubiologie.de und www.baubiologie-shop.de
Baubiologische Fachleute und Bezugsquellen: www.baubiologie-verzeichnis.de