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Vom Einfamilienhaus über Kindergärten und Schulen bis hin zu Gewerbeobjekten: die Holzbauweise liegt nach wie vor im Trend. Mehr denn je setzen Planer und Architekten auf umweltfreundliche Materialien sowie die wohltuende Wirkung eines gesunden Raumklimas. Eine ökologische Bauweise bietet nicht nur viele gesundheitliche und klimaschonende Vorteile gegenüber der konventionellen Standards, auch die Kosten sind mittlerweile auf einem ähnlichen Niveau.

Vier von fünf Gebäuden in Holzbauweise kosten weniger oder gleich viel im Vergleich zur Standardbauweise – so lautet das Fazit einer im vergangenen Jahr vorgestellten Untersuchung des Architekten und Software-Entwicklers Holger König. Dabei überprüfte er die Kosten und CO2-Bilanz von fünf öffentlichen und privaten Holzgebäuden und verglich diese mit den Aufwänden, die durch konventionelle Bauweise entstanden wären.
Das Ergebnis zeigt, dass die Vorteile der Holzbauweise voll zum Tragen kommen: Neben einer verkürzten Bauzeit und platzsparenden Bauweise sind dies v.a. Energieeinsparungen sowie ein gesundes Wohnklima. Insbesondere der hohe Vorfertigungsgrad ermöglicht zügiges Vorankommen und Arbeiten auf der Baustelle auch bei schlechter Witterung. Zurückzuführen ist dies auf technologische Weiterentwicklungen bei Verbindungsmitteln sowie der Standardisierung. Neue Verankerungs- und Klebesysteme geben dem Markt eine zusätzliche Dynamik und ermöglichen sogar den Bau von Hochhäusern aus Holz, wie Beispiele aus Schweden und Österreich zeigen.

Kurze Bauzeit

Dabei lässt sich bares Geld sparen: Ein Einfamilienhaus aus Holz kann im Schnitt innerhalb eines halben Jahres fertiggestellt werden, weil die Gebäude schnell trocknen und deswegen einer geringen Baufeuchte unterliegen. Beim Massivbau muss dazu im Vergleich mindestens ein Jahr Bauzeit veranschlagt werden. Zudem werden dort z.B. für Zement, Estrich und Putz tausende Liter Wasser eingesetzt, die monatelang ausgetrocknet werden müssen und unter Umständen Schimmelbildung mit sich bringen. Oftmals kann durch Regen zusätzlich Wasser ins Gebäude eindringen und Rohböden sowie Ziegelwände erneut durchfeuchten. Da aber vorgefertigte Holzhäuser meist innerhalb von ein bis zwei Tagen mit Dach errichtet werden, bleibt der Regen fern und das Gebäude trocken.
Holzbauten werden größtenteils auf einem massiven Keller, einer Bodenplatte oder schwebend auf Punktfundamenten errichtet. In der Regel findet die Holztafelbauweise als Konstruktionsart Verwendung. Dabei fertigen die Hersteller sowohl Wand- und Decken- als auch Dachelemente in der Werkstatt vor, inklusive aller Fenster. Dementsprechend gestaltet sich die Rohbauphase auf der Baustelle recht kurz, sodass Eigentümer oder Handwerker mit dem Innenausbau recht zügig beginnen können.

Gut gedämmt

Auch in puncto Dämmung überzeugen Holzhäuser und können je nach individuellem Zuschnitt der Wand auch Ziegel oder Beton in Sachen U-Wert überflügeln: Da das „Mauerwerk“ eines Holzhauses größtenteils aus Dämmmaterial und nur zu einem geringen Teil aus Massivholz besteht, erhöht sich der Dämmwert entsprechend; bei massiver Ziegelbauweise wären Außenwände mit einer Dicke von bis zu 50 Zentimetern notwendig, um vergleichbare Ergebnisse zu realisieren. Auch Wände mit zusätzlichem Wärmedämmverbundsystem, sogenannte mehrschalige Schichtaufbauten, sind teurer und zudem schadensanfälliger. Außerdem bieten Holzhäuser auf Grund ihrer Dämmeffizienz im Vergleich zum Massivbau pro bebauter Fläche mehr Wohnraum.
Holz verfügt auch über die bessere Klimabilanz im Vergleich zu massiven Baustoffen, weil die Produktion der Holzbauteile insgesamt weniger Energie benötigt. Zudem speichert Holz Kohlendioxid und setzt dieses erst nach Verbrennung oder Verrottung frei. Gleichzeitig lässt sich nach Ablauf der Lebenszeit eines Holzhauses die Abfallbeseitigung umweltfreundlicher gestalten.

Vorteil Raumklima – bei richtiger Handhabung

Vom Großen ins Kleine profitiert Holz von seiner Hygroskopizität, also der Fähigkeit Feuchtigkeit aufzunehmen und abzugeben. Dadurch entsteht das allgemein bekannte Wohlfühlklima in Wohn- und Arbeitsräumen, von dem speziell Allergiker profitieren. Denn bei konsequent ökologischem Innenausbau, bei dem nur natürliche Baustoffe zum Einsatz kommen, kann ein Holzhaus größtenteils schadstofffrei bleiben.
Während kurzfristige Feuchtigkeitsbelastungen im Innenraum durch die Hygroskopizität mühelos ausgeglichen werden können, muss eine hohe Feuchtigkeitsregulierung der Außenhülle gewährleistet sein. Dazu empfiehlt sich meist eine hinterlüftete Konstruktion, damit die Nässe schnell trocknen kann. Die richtige Planung der wasserführenden Schichten von Dach und Wand sowie des Gebäudesockels sind dabei unumgänglich. Hilfreich sind meist Dachüberstände und das leichte Anheben des Gebäudes aus dem Erdboden.

Dämmung nicht nur gegen Wärmeverluste

Schwächen mehrgeschossiger Holzhäuser ergeben sich auch beim Thema Trittschall. Gedämmte und abgehängte Holzbalkendecken oder gesonderte Bodenaufbauten können hier Abhilfe schaffen. Leicht zu bewerkstelligen ist hingegen der Brandschutz, da hier die gleichen Anforderungen wie bei Ziegel- oder Betonbauen zu beachten sind. Statistisch brennen Gebäude aus Holz übrigens nicht öfter als Häuser aus anderen Baustoffen. Im Fall der Fälle entsteht Holzkohle, die eine natürliche Dämmschicht bildet und unbeschädigtes Holz vor weiterer Aufheizung bewahrt, sodass es seine Festigkeit behält.
Auch das vielgescholtene „Barackenklima“ von Holzbauten lässt sich widerlegen – denn die bei heutigen Standards verwendete Dämmung plus die natürliche Wärmespeicher- und -abgabefähigkeit von Holz entspannen diese Situation bereits deutlich. Auch die Hinterlüftung von Wand und Dach wirken regulierend, daneben empfiehlt sich eine sinnvolle Anordnung von Fenstern und Sonnenschutz. Wie bei jedem Bau setzt dies eine solide Planung voraus, die durch den Fachmann erfolgen sollte – auf Holz klopfen allein reicht auch beim Holzbau nicht aus.


Stephan Wild


Weitere Informationen über Baubiologie:
Institut für Baubiologie + Nachhaltigkeit IBN, Rosenheim, www.baubiologie.de