header spatz

Energie2

Mit Atomausstieg und dem Ausbau der regenerativen Energien ist Deutschland vor allem an der Steckdose aktiv geworden. Für eine echte Energiewende heißt es nun, die Blicke auf den Heizkörper zu richten, denn insbesondere bei der Wärmewende liegen große Potenziale brach. Wie immer gilt: Nicht nur der Gesetzgeber ist gefordert, auch der Einzelne kann schon viel leisten und bares Geld sparen.

Kaum ein gesellschaftliches Projekt ist so komplex wie die Energiewende. Aktuell legt der Gesetzgeber sein Augenmaß auf den Wärmebereich, der zu den größten Sorgenkindern zählt. Denn rund die Hälfte des Energieverbrauchs in Deutschland fällt im Bereich Wärme an, und in puncto Einsparung und Effizienz besteht noch reichlich Luft nach oben: So betont das Forschungsinstitut für Wärmeschutz in einer aktuellen Studie die großen Energieeinsparpotenziale der Wärmedämmung.
Demzufolge gingen über die Wände der deutschen Wohnhäuser im Jahr 2014 bis zu 130 Terrawattstunden Energie verloren. Etwa drei Viertel davon ließen sich allein durch fachgerechte Dämmung einsparen. Nach Einschätzung der Forscher könnten die Klimaschutzziele der Bundesregierung zur Reduzierung des Primärenergiebedarfs im Gebäudebereich nur mit einer Sanierungsquote von 2,5 Prozent erreicht werden. Bisher liegt sie aber unter einem Prozent, d.h. der technische Stand von bis zu 80 Prozent der Immobilien entspricht nicht dem, was machbar wäre.
Experten kritisieren längst, dass ausreichend steuerliche und wirtschaftliche Anreize zur Gebäudesanierung fehlen, weil sich Bund und Länder bisher nicht über die Aufteilung der Steuerlasten einigen konnten. Gleichwohl will die Bundesregierung den Wärmebedarf bis 2020 im Vergleich zu 2008 um 20 Prozent senken. Nun planen die Ministerien bis 2017 eine Novellierung der Energieeinsparungsverordnung (EnEV). Damit einhergehen soll eine verlässliche Zertifizierung von Dämmstoffen, mangels derer Hauseigentümer bisher allzu oft Investitionen zurückgehalten haben.


Kraft-Wärme-Koppelung bietet hohes Potenzial

Mit einer Gesetzesneuerung will die Bundesregierung auch die Kraft-Wärme-Koppelung (KWK) fördern. Gemeint sind damit Blockheizkraftwerke, die Strom erzeugen und die dabei entstehende Wärme zum Heizen nutzen. Laut BUND werden insbesondere kleinere dezentrale KWK-Anlagen nicht ausreichend gefördert, wodurch die Eigenstromnutzung nicht mehr angemessen angeschoben, sondern durch die EEG-Umlage sogar zusätzlich belastet wird.
Laut Angaben des Bundesverbandes Wärmepumpe (BWP) e.V. stagniert zudem der Wärmepumpenabsatz aktuell zwischen 50.000 und 60.000 Geräten pro Jahr. Dabei leisten Wärmepumpen ebenfalls einen signifikanten Beitrag zur CO2-Reduktion, wenn sie durch sauberen Strom betrieben werden. Durch den Ausbau der erneuerbaren Energien im Stromsektor verbessert sich die CO2-Bilanz demnach durchgehend. Laut BWP ließen sich durch den verstärkten Einsatz von Wärmepumpen bis zum Jahr 2030 bis zu neun Millionen Tonnen CO2 einsparen.
Strittig ist auch, wie sich der Anteil erneuerbarer Energien am Verbrauch zum Heizen und Kühlen von Gebäuden steigern lässt – einschließlich der Produktion von Warmwasser. Im Jahr 2014 lag dieser nur bei 9,9 Prozent, bis 2020 soll er auf 14 Prozent steigen.


Billiger Ölpreis wird nicht halten

Rund um die zahlreichen rechtlichen Unsicherheiten verringern die anhaltend billigen Öl- und Gaspreise bei den Verbrauchern zusätzlich die Anreize, schnell und konsequent auf alternative Wärmequellen wie Solarthermie oder Wärmepumpen umzurüsten; auch der warme Winter hat nicht eben zur Steigerung des Interesses beigetragen. Umso wichtiger wäre es, jetzt die langfristig richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Es bleibt zu hoffen, dass der Gesetzgeber mit Maß und Ziel agiert, um negative Brancheneffekte wie z.B. bei der Solarstromförderung zu vermeiden.
Für den Einzelnen sind Investitionen in die energetische Sanierung derzeit erwägenswert, wenn sie mit ohnehin anstehenden Arbeiten wie einer Dachsanierung oder einem neuen Außenanstrich kombiniert werden können; auch an vielen Orten noch anstehende Sanierung von alten Heizungen kann jetzt sinnvoll genutzt werden. Der Austausch einer alten Heizungsumwälzpumpe gegen eine Hocheffizienzpumpe zählt ebenfalls mit zu einer der wirtschaftlichsten Maßnahmen.
Verantwortung in den Haushalten
Energieberater, regionale Klimaschutzagenturen oder auch Verbraucherzentralen unterstützen Hausbesitzer bei der effizienten klimaschonenden Energienutzung und beim Einsatz von erneuerbaren Energien. Vor allem aber helfen sie, Wärme- und Stromfresser im Haushalt zu identifizieren sowie das eigene Heizverhalten zu optimieren.
Vom Austausch elektrischer Geräte bis hin zur Erstellung eines Gebäudesanierungssparplans erhalten Verbraucher so die Möglichkeit, ihr Scherflein zur Energie- und damit Wärmewende beizutragen. Denn auch in Zeiten von billigem Öl gilt: Viel Potenzial liegt einfach bei den Bürgern selbst.


Stephan Wild