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Sternanis Klein

Düfte wecken Emotionen. Besonders an Weihnachten, wenn es verführerisch nach frisch gebackenen Plätzchen und heißem Glühpunsch duftet. Verantwortlich für das Wohlgefühl sind Gewürze und Aromen, die man sofort mit der Winter- und Weihnachtszeit in Verbindung bringt.

Anis

Anis gehört zwar nicht zu den typischen Weihnachtsgewürzen, ist aber in Pfefferkuchen und Anisplätzchen unverzichtbar. Franzosen lieben Anis flüssig in Form von Pastis und Gesundheitsbewusste als Tee gegen Husten und bei Magen-Darm-Beschwerden. Seinen festen Platz im Weihnachtsgeschehen hat Anis allerdings wegen eines ähnlich schmeckenden Namensvetters, der aber mit der mitteleuropäischen Gewürzpflanze nicht einmal verwandt ist. Sternanis ist ein tropisches Gewächs und hauptsächlich in der asiatischen Küche zu Hause. Seine sternförmig angeordneten Samentaschen mit den runden Samen machen den Sternanis zu einem echten Hingucker und so findet man ihn oft in Gewürzsträußen oder anderen weihnachtlichen Dekorationen.

Bergamotte & Co.

Was vom Namen her ein wenig verstaubt klingt bringt Frische in die dunkle, kalte Jahreszeit. Das Zitrusaroma der Bergamottefrucht wird in Teemischungen ebenso geschätzt wie als Öl in Duftlampen. Besonders im Winter bringt der frische Duft ein angenehmes Wohlgefühl und so ist eine Tasse Earl Grey vor dem warmen Kamin mit einer Wellness-Oase vergleichbar. In der Weihnachtsbäckerei sind Zitronen und Orangen das Gegengewicht zu Honig und Zucker. Elisen-Lebkuchen ohne die Frische der kandierten Südfrüchte sind undenkbar und der beliebte Dresdner Stollen kommt auch nicht ohne aus. Ein Dufterlebnis der besonderen Art sind frische Orangen mit Nelken gespickt – eine schöne Bastelarbeit mit Kindern.

Kardamom

Botanisch gehört Kardamom zu den Ingwergewächsen und damit weiß man auch schon, dass er neben der süßen Komponente mit Schärfe aufwarten kann. Eine Kombination, die in Mischungen vom Spekulatiusgewürz bis zum Arabischen Kaffeegewürz für ein außergewöhnliches Geschmackserlebnis sorgt. Wie Ingwer ist Kardamom aus der ayurvedischen Küche nicht wegzudenken und weist damit auf seine heilende Wirkung hin. Gemahlener Kardamom verliert schnell sein Aroma, sollte daher zügig verbraucht werden. Anders die Kapseln, die das Aroma länger halten. Im Mörser zerkleinert geben sie die gesamte Vielfalt der exotischen Düfte ab.

Muskat

Muskat hat das ganze Jahr Saison. Ob über Kohlgemüse oder Kartoffelbrei, der würzig-exotische Geschmack der Muskatnuss ist das berühmte Tüpfelchen auf i. Aber auch in der Weihnachtsbäckerei hat Muskat seinen Platz, wenn auch da eher der Samenmantel, die so genannte Macisblüte, zum Einsatz kommt. Wie viele exotischen Gewürze ist auch die Muskatnuss eine pflanzliche Droge, die richtig dosiert für feinen Geschmack sorgt oder bei Magen-Darm-Beschwerden Linderung bringen kann. Überdosiert kann sie zum Rauschmittel werden und durchaus tödliche Folgen haben.

Nelken

Nelken sind die getrockneten Knospen des Nelkenbaumes, eines Myrtengewächses, das 10 bis 20 Meter Höhe erreichen kann. Als Gewürz und auch in der Heilkunde sind Nelken seit dem frühen Mittelalter bekannt. In der Weihnachtszeit sind Nelken ein wichtiger Bestandteil vieler Gerichte. Was wären Rotkohl (bayrisch: Blaukraut) oder Glühwein und Punsch ohne Nelken. Auch das Lebkuchengewürz kommt nicht ohne das intensive Nelkenaroma aus. Und wer zu viel Süßes gegessen hat und unter Zahnschmerzen leidet, kann eine Gewürznelke kauen. Das in hohem Anteil enthaltene Eugenol betäubt den Schmerz. Darüber hinaus wirken Nelken appetitanregend, verdauungsfördernd und antibakteriell.

Tanne

Nun, Tanne, Fichte und Co. können zwar nicht als Gewürz verwendet werden, ihr würziger Duft gehört aber notwendig zur Weihnachtszeit. Allerdings gibt es da ein Problem: Deutschlands liebster Weihnachtsbaum, die Nordmanntanne, ist hübsch anzusehen, aber geruchsfrei. Das gilt selbstverständlich auch für Öko-Nordmänner. Diverse Edeltannen duften dagegen herrlich und auch Fichten bringen einen würzigen Weihnachtsduft in den Raum. Und wer den Baum im Wald lassen möchte kann sich mit ätherischen Ölen den Duft ins Haus holen.

Vanille

Die Nachfrage nach „echter“ Vanille wächst stetig. Und da die Nachfrage den Preis regelt, ist in den letzten Jahren Vanille zu einem der teuersten Gewürze aufgestiegen. Darüber hinaus hat ein Tropensturm im Frühjahr weite Teile der Anbauflächen auf Madagaskar vernichtet. Das wird den Preis weiter treiben. Leider werden die Bauern am wenigsten von der Preisentwicklung mitbekommen. Das meiste Geld bleibt bei den Zwischenhändlern. Daher ist es enorm wichtig, Gewürze in biologischer Qualität und aus fairem Handel zu kaufen. Damit wird garantiert, dass die viele Handarbeit rund um die Gewürzgewinnung, fair honoriert wird und so schmeckt das Vanillekipferl zu Weihnachten doppelt gut.

Zimt

Zimt ist einer der ältesten bekannten Gewürze und hat bis heute nichts von seiner Attraktivität eingebüßt. Kein Apfelkücherl, kein Milchreis ohne Zimtzucker, kein Weihnachten ohne Zimtsterne. Allerdings ist Zimt aufgrund seines Cumaringehaltes als Leber schädigend in die Schlagzeilen geraten. Wer auf der sicheren Seite sein möchte, greift daher zum Ceylon Zimt mit weniger Cumarin und dosiert vorsichtig.
Zum Schluss noch zwei Buchtipps zum Thema Gewürze: von Yvone Höflinger „Gewürze zum Kochen und Heilen“ (ISBN/EAN 9783886273638) und „Mit Gewürzen und Kräutern kochen und heilen“ von Monika Aschl (ISBN 3-85068-569-1).
Frohe Weihnachten!


Elisabeth Schütze