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Lebensmittel für Allergiker

Wenn Kinder nach dem Essen plötzlich Hautveränderungen, Schnupfen oder Atemnot haben, über Bauchweh klagen, Durchfall haben oder sich erbrechen, sollten Eltern aufmerksam sein. Es könnte eine Nahrungsmittelallergie die Ursache sein.

 Viele Unverträglichkeiten bestimmter Lebensmittel treten schon im Kindesalter auf, vor allem gegen Kuhmilch, Hühnerei, Weizen, Soja, Erdnüsse und Haselnüsse. Deren Eiweiße, die von den meisten Menschen gut vertragen werden, lösen bei einigen Menschen schlimme Beschwerden aus. Auch Gluten, das in Getreide vorkommt oder Schalentiere (z.B. Hummer, Langusten) können eine lebenslange Intoleranz mit unangenehmen Beschwerden auslösen. Warum der Körper bestimmte, normalerweise vom Menschen gut verträgliche Lebensmittel-Eiweiße ablehnt, ist noch nicht genau bekannt; einige Unverträglichkeiten (wie die Zöliakie) sind erblich bedingt, es gibt aber auch solche, die erst im Laufe der Zeit erworben werden.
Kleinkinder reagieren besonders sensibel, denn bei ihnen funktioniert die Darmwand noch nicht gut. Vor allen die Gluten-Unverträglichkeit zeigt sich früh. Erwachsene bilden häufiger eine Nahrungsmittelallergie gegen rohe Gemüse- und Obstsorten, Fisch, Krebs- und Weichtiere oder Nüsse aus. Es entstehen oft auch Kreuzallergien: Wenn jemand schon Heuschnupfen hat, also auf Pollen reagiert, zum Beispiel mit juckender Haut und laufender Nase, tut er dies einige Zeit später auch auf Äpfel oder Nüsse.
Etwa fünf Prozent der Bevölkerung leidet unter einer Lebensmittelallergie. Die allergische Reaktion tritt meist innerhalb von Minuten nach dem Verzehr auf, manchmal aber auch erst nach einigen Stunden. Besonders schnell reagieren Haut und Schleimhaut mit Juckreiz, Rötung, Quaddeln und der Hals-Nasen-Ohrenbereich mit Fließschnupfen und Niesattacken. Auch Blähungen, Durchfall, Erbrechen, Übelkeit oder Verstopfung können auf eine Allergie hinweisen. Der anaphylaktische Schock ist die schwer-
ste allergische Reaktion auf Lebensmittel.

Bei Allergien auf Kennzeichnung achten

Wer auf bestimmte Lebensmittel allergisch reagiert, muss diese stets meiden. Damit das möglich ist hat die EU-Verordnung Nr. 1169/2011 im Anhang II zur Lebensmittel-Information bestimmt, dass die Hersteller die 14 häufigsten Auslöser von Allergien und Unverträglichkeiten angeben müssen – entweder im Zutatenverzeichnis oder der Bezeichnung des Lebensmittels. Glutenhaltiges Getreide ist namentlich zu nennen, so Weizen (wie Dinkel und Khorasan-Weizen), Roggen, Gerste, Hafer oder Hybridstämme davon, Krebstiere, Eier, Fische, Erdnüsse, Sojabohnen, Milch (einschließlich Laktose), Schalenfrüchte (namentlich Mandeln, Haselnüsse, Walnüsse, Kaschunüsse, Pecannüsse, Paranüsse, Pistazien, Macadamia- oder Queenslandnüsse), Sellerie, Senf, Sesamsamen, Schwefeldioxid und Sulphite (ab 10 Milligramm pro Kilogramm oder Liter), Lupinen und Weichtiere. Diese Informationspflicht gilt auch für Verarbeitungsprodukte und für die bei der Produktion eingesetzten Hilfsstoffe, auch bei nicht verpackter Ware an der Theke. Auf Nachfrage muss dort eine schriftliche Information zugänglich sein.

Laktose- und Fructose-
Intoleranz

Während eine Allergie mit Hilfe von Antikörpern des Typs IgE – die der Körper gegen die allergen wirkenden Eiweiße bildet – im Blutbild erkannt werden kann, kommt es bei einer Unverträglichkeit zu keiner Reaktion des Immunsystems. Die Beschwerden können dennoch äußerst unangenehm und schmerzhaft sein. So etwa bei der Unverträglichkeit von Milch- oder Fruchtzucker (Laktose und Fructose). Der Darm kann diese Zuckereiweiße nicht aufspalten. Sie gelangen dadurch nicht durch die Darmwand ins Blut, doch Darmbakterien verarbeiten die Zucker ungespalten und verursachen Gase im Darm, die Bauchschmerzen und Blähungen verursachen.
Wenn also nach dem Verzehr von Milch oder Obst Bauchschmerzen und Durchfall auftreten, könnte eine Laktose- oder Fructose-Intoleranz die Ursache sein. Testen lässt sich dies mit dem Wasserstoff-Atemtest: Man trinkt eine Milch- oder Fruchtzuckerlösung, die dann im Darm durch Bakterien zersetzt, Wasserstoff produziert. Dieser gelangt ins Blut und wird abgeatmet. Bei einer Unverträglichkeit ist der Wasserstoffgehalt im Atem des Patienten erhöht.

Gluten-Unverträglichkeit

Brot, Kuchen, Nudeln: diese leckeren und alltäglichen Lebensmittel enthalten fast immer Getreide mit besonders viel Gluten. Denn das Klebereiweiß ist im Laufe von Jahrzehnten immer mehr im Getreide gezüchtet worden, es verbessert nämlich seine Backeigenschaften. Vor allem Weizen, aber auch Gerste, Hafer, Roggen, Dinkel und Grünkern enthalten Gluten. Bei einer Unverträglichkeit entzündet sich die Dünndarmschleimhaut, die sogenannten Darmepithelzellen werden zerstört und der Nahrungsbrei kann nicht verdaut werden. Mit Autoantikörpern gegen das Enzym Transglutaminase im Blut und Gewebeproben aus der Dünndarmschleimhaut kann eine Zöliakie nachgewiesen werden.
Betroffene Kinder entwickeln sich langsamer. Gewichtsverlust, Durchfall, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Müdigkeit und Depressionen treten auf. Sie müssen – meist lebenslang – getreidehaltige Lebensmittel meiden. Alternativen sind Brot, Kuchen und Lebensmittel mit Mais, Reis, Hirse, Amarant, Buchweizen und Quinoa.

Große Auswahl von Spezialprodukten

Die Lebensmittelhersteller haben inzwischen auf das verstärkte Bedürfnis von Kunden reagiert, die auf Nahrungsmittel allergisch reagieren, sich glutenfrei ernähren müssen oder Laktose und Fruktose im Essen meiden wollen. Sie können auf eine Vielzahl von neu in die Sortimente gekommenen Nahrungsmitteln ausweichen. Klassiker sind hier etwa die mittelamerikanischen Pseudogetreide Amarant und Quinoa.
Ziemlich neu angeboten werden Mehle aus Mandeln, Kokos, Hanf und Sonnenblumenkernen. Auch viele bereits fertige Produkte wie Brot, Kuchen, Nudeln, Müslis und Marmeladen gibt es ohne Gluten, Laktose und Fructose. Manche Bio-Unternehmen haben sich auf die Produktion von schmackhaften Alternativen spezialisiert und die Biomärkte stellen ihren Kunden eine immer größer werdende Auswahl zur Verfügung. So können sich auch Allergiker ohne Mühe gut ernähren.


Andrea Reiche