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Nachhaltige Geldanlagen

Nachhaltige Geldanlagen

Mehr denn je wollen die Deutschen in diesem Jahr ihr Geld in sozialverträgliche und ökologische Investments anlegen. Zwar galten Nachhaltige Geldanlagen lange als Renditeschreck, jetzt aber zeigen mehrere Studien das Gegenteil: Sie erwirtschaften im Schnitt mehr Ertrag als klassische Anlagen und sind gut für das Gewissen sowie die Moral.

Laut einer Forsa-Untersuchung hält mit 46 Prozent fast jeder Zweite Deutsche Investitionen für eine attraktive Anlageform. In der Gegenüberstellung zu den vergangenen fünf Jahren entspricht das einer Steigerung von 12 Prozent. Rund 77 Prozent der Befragten gaben dabei an, dass ihnen nachhaltiges Handeln wichtiger sei, als eine satte Rendite. Nach Angaben des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) stieg die Summe alternativer Vermögensanlagen dabei im vergangenen Jahr um neun Prozent auf 179 Milliarden Euro. Nachhaltige Investmentfonds konnten im Vergleich zum Jahr 2016 sogar ein Wachstum von 30 Prozent verzeichnen.
Dabei belegt das Global Research Institut (GRI), dass viele Befürchtungen von Privatanlegern, wonach alternative Anlageformen mit erhöhten Risiken einhergehen, sich nicht bewahrheiten. Ganz im Gegenteil: Nach Auswertung von 2.000 Studien zeigt sich, dass bei weniger als 10 Prozent der Erhebungen nachhaltige Faktoren eine negative Wirkung auf die Rendite nehmen. Über die Hälfte der erfassten Studien kamen sogar zu einem positiven Ergebnis – „grünes Geld“ lohnt sich also!
Zwar spiegelt sich die Investitionsbereitschaft der Deutschen bei Nachhaltigen Geldanalgen im Verhältnis zum vorhandenen Besitz nach wie vor nur wenig wieder. Doch laut Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) wuchs das Volumen aller Fonds und Mandate zum Jahresende 2017 um sieben Prozent auf circa drei Billionen Euro – der nachhaltige Anlagenmarkt legte dabei mit 17 Prozent überproportional zu.

EU-Aktionsplan weist in die richtige Richtung

Der Zuwachs von grünen Geldanlagen geht nach Ansicht von Experten auf das veränderte Konsumverhalten der Verbraucher und deren zunehmend bewusstes Kaufverhalten zurück. Des Weiteren scheuen vor allem Sparer den zunehmend unsicheren Kapitalmarkt und suchen in der Niedrigzinsphase nach Alternativen zu herkömmlichen Finanzprodukten. Auch institutionelle Investoren, wie zum Beispiel der Rückversicherer Munich Re, wollen in Zukunft keine Aktien oder Anleihen von Firmen kaufen, die mehr als 30 Prozent ihres Umsatzes mit Kohle umsetzen. Hier zeigt sich auch die Handschrift der EU-Kommission: Sie wirkt darauf hin, dass Großanleger ihre treuhänderische Verpflichtung unter Beachtung der Nachhaltigkeitsdimensionen definieren. Das Ziel ist es u.a. Kapitalflüsse in Bahnen zu lenken, die ein zukunftssicheres Wirtschaftswachstum in der EU-Zone fördern.
Ein weiterer Punkt des EU-Aktionsplans ist die Diskussion rund um die Kennzeichnung nachhaltiger Finanzprodukte, wie dem des Biosiegels für Nahrungsmittel. Nachhaltige Geldanlagen basieren in der Regel auf sogenannten ESG-Kriterien, aus dem Englischen übersetzt bedeutet das Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Dafür bestehen unterschiedliche Anlagestrategien: Beispielsweise schließen manche Fonds Investments bestimmter Industrien aus. Ein weniger strenger Ansatz ist die Best-in-Class-Strategie wonach Unternehmen gewählt werden, die ökologische und ethische Standards in ihrer Branche am besten umsetzen – Anlagestrategien können jedoch je nach Finanzprodukt variieren.

Schwarze Schafe am grauen Kapitalmarkt

Seit etwa drei Jahren zeichnet das Siegel der FNG nachhaltige Geldanlagen im deutschsprachigen Raum aus. Fonds, die sich dafür bewerben, müssen Waffen und Kernkraft ausschließen. Außerdem müssen sie die vier Bereiche des Globalen Pakts zwischen den Vereinten Nationen und Unternehmen respektieren. Dazu zählen Menschen- und Arbeitsrechte, Umweltschutz sowie die Eindämmung von Korruption und Bestechung.
Aber nur weil ein Investment zum Beispiel gut für den Klimaschutz ist, bedeutet es nicht, dass der Anleger damit einen sicheren Betrag erzielt. Besondere Vorsicht sollten Anleger bei Produkten aus dem grauen Kapitalmarkt walten lassen, wie bei Direktbeteiligungen oder Nachrangdarlehen. Denn bei diesen gering regulierten Anlageformen können Anleger unter Umständen ihr Geld komplett verlieren. Des Weiteren können auch bei Aktien kleinerer Unternehmen Liquiditätsengpässe an den Börsen entstehen. Das wird beispielsweise dann problematisch, wenn Anleger ihr Investment zum Verkauf anbieten wollen. Zusätzliche Kosten können auch bei Ökologie-Fonds entstehen, die einen Nachhaltigkeitsausschuss als Überwachungsgremium einsetzen oder externe Firmen für diese Aufgabe nutzen.

Fazit

Anleger sollten deswegen grundsätzlich Anbieter vorziehen, die über eine jahrelange Expertise verfügen oder Fondshäuser wählen, die sich auf das Nachhaltigkeitsthema spezialisiert haben. Einen sehr guten Überblick über die Möglichkeiten in nachhaltige Geldanlagen geben ECOreporter.de (www.ecoreporter.de) oder GreenValue (www.greenvalue.de). Diese Branchendienste bündeln Informationen und bieten einen breiten Überblick über sämtliche Akteure am Markt und deren Leistungen. Die Lektüre empfiehlt sich vor allem jenen, die in Unternehmen, geschlossene Fonds, Aktien oder ähnliches investieren wollen.

Stephan Wild