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Wenn viele Investoren schlaue Unternehmungen unterstützen

Gründergeist? Innovationsmaschine? Startup-Mentalität? Begriffe, die nach wie vor zu wenig mit dem Wirtschaftsstandort Deutschland in Verbindung gebracht werden – zu Recht: Das Silicon Valley ist weiterhin führend bei derartigen Unternehmungen. Ein Lichtblick ist das sogenannte Crowd-Funding: Die Schwarmfinanzierung über viele Geldgeber, die kleine Beträge bereitstellen, nutzen immer mehr Jungunternehmer sowie Initiativen und sammeln so hohe Beträge ein.

GeldanlagenSpatzDas Modell der Crowd-Finanzierung beschreibt einen Trend im digitalen Zeitalter und folgt dabei der Idee, eng, direkt und ohne Institutionen zusammenzuarbeiten – unkompliziert und projektbasiert. Das Besondere daran ist, dass die Investoren durch das Internet miteinander vernetzt „dezentral“ agieren und untereinander nicht organsiert sind. Charakteristisch unterstützen dabei viele Personen ein Projekt mit verhältnismäßig kleinen Geldbeträgen und erhalten dafür entweder eine finanzielle oder ideelle Gegenleistung.
Bei der Schwarmfinanzierung geht es häufig um mehr als nur um die Anwerbung von Kapital. Die Crowd, die aus den unterschiedlichsten Personen besteht, kann Projekte und Unternehmen auch als Ideengeber, Experte, Testperson, temporärer Mitarbeiter oder Social-Media-Sprachrohr unterstützen. Gute Kampagnen berücksichtigen genau dieses umfassende Potential des Schwarms und fragen Möglichkeiten zu Input und Einflussnahme für die eigene Idee gezielt bereits vor deren Markteinführung bzw. Realisierung ab. Das Spektrum ist vielseitig: Von der Finanzierung eines klassischen Startups über Kunstperformances und Events bis hin zu Ökoprojekten einzelner Personen oder Gruppen kann im Grunde alles finanziert und unterstützt werden.
Egal ob Nachhaltigkeit oder Rendite: Crowdfunding findet in der Regel über das Internet statt. Zahlreiche Plattformen eröffnen dafür verschiedene Möglichkeiten. Einen guten Überblick zu deutschen und internationalen Portalen bietet die Seite crowdfunding.de. Die bekanntesten Plattformen sind sicherlich Indiegogo, Startnext, Ecocrowd und Kickstarter. Bei leetchi.com stehen Nischenthemen wie die Finanzierung von Spitzensportlern im Vordergrund. Via monaco-funding.de kann Geld für Sammelgeschenke im Freundes- und Bekanntenkreis zusammengetragen werden. Mit viele-schaffen-mehr.de bringt die Bankenvereinigung der Volks- und Raiffeisenbanken ihre genossenschaftlichen Mitglieder in den Schwarm.


Mehr Spielraum wagen


Wo liegt nun aber der echte Vorteil einer Finanzierung durch den anonymen, eventuell sogar internationalen Schwarm im Gegensatz zur klassischen Fremdfinanzierung durch eine Bank? Die Antwort ist eigentlich recht einfach: Für Jungunternehmer ist der Spielraum, den der Weg über die Crowd mit sich bringt, um ein Vielfaches größer – und zwar nicht nur in Sachen Einflussnahme, sondern vor allem bei den Konditionen: Die Initiatoren eines Projekts oder die Gründer eines Unternehmens bestimmen selbst ob sie um Spenden bitten, in „Naturalien“ bezahlen oder Zinsen auszahlen wollen, und wie hoch diese gegebenenfalls sind. Auch ist das Procedere unkomplizierter als bei einer Bank. Oft wird kein klassischer Business-Plan vorgelegt. Vielmehr stellen die Gründer das Produkt, die Idee oder die Initiative so authentisch und transparent wie möglich vor. Dabei kommen alle Mittel zum Einsatz, die das Internet und seine sozialen Netzwerke bieten.
Häufig geht es Initiatoren allerdings weniger um Renditechancen und Cashflow-Berechnungen, sondern vielmehr darum, Realisierungschancen eines Projekts über die jeweilige Plattform zu testen. Denn wenn die Crowd an einer Finanzierungsbeteiligung kein Interesse zeigt, ist die Idee unter Umständen noch nicht voll ausgereift. Die Initiatoren können in so einem Fall zurück zum Start, um Produktdetails, Marketing und Zielgruppenanalyse zu überdenken und neue Weichenstellungen vorzunehmen; Crowd-Interessenten sollten diesen Aspekt bedenken, ehe sie ein Wagnis eingehen. Eine gut durchkonzipierte Kampagne berücksichtigt demnach Faktoren wie Kampagnenstart, Finanzierungssumme sowie Pufferzeiten und zielgruppenorientiertes Marketing.


Crowdfunding lässt die Herzen höher schlagen


Ein gutes Beispiel für das Gelingen einer Crowd-Finanzierung sind die Krautreporter: Das genossenschaftlich organisiertes Magazin behandelt die Themen Politik, Kultur und Gesellschaft. Zu dessen Gründung haben die Initiatoren im Jahr 2014 rund 900.000 Euro eingesammelt. Seitdem bietet die Publikation Journalismus auf höchstem Niveau. Im selben Jahr gelang es auch der Bio Strohhalme GmbH, ihren nachhaltigen Trinkhalm mit Hilfe der Crowd am Markt zu platzieren. Das Interesse daran war sogar so groß, dass die Gründer 300 Prozent des erfragten Betrags einsammeln konnten. Auch der Filmemacher Benedikt Fuhrmann hat für seine Filme „Ein Blick Iran“ und „Bavaria Vista Club“ erfolgreich Schwarm-Kapital mobilisiert und damit die Publikumsherzen nicht nur in Bayern begeistert.
Beim Blick auf diese Beispiele wird klar, was zum Erfolg beigetragen hat: Initiatoren und Investoren haben sich jeweils sehr direkt und transparent zum Zwecke der Finanzierung im virtuellen Raum getroffen. Die überwiegende Mehrheit der Geber hat sich wahrscheinlich mehr erwartet als eine lohnende Vermögensanlage. Vielmehr wollten sie dabei helfen, spannenden Projekten und unternehmerischen Ideen zum Durchbruch zu verhelfen – mit kleinem Geld, aber großer Wirkung.

Stephan Wild

 

Weiterführende Weblinks:

– IHK „Schwarmfinanzierung im Internet – Crowdfunding für Unternehmen“,
www.ihk-muenchen.de/crowd

– Invest in Bavaria „Neue Wege zum Markterfolg“
www.invest-in-bavaria.com/blog/beitrag/crowdfunding-neue-wege-zum-markterfolg.html

– EcoCrowd – Crowdfunding für nachhaltige Projekte
www.ecocrowd.de

– Buch „Psychologie im Umweltschutz“ Oekom Verlag
www.oekom.de/index.php?id=2128

– Crowdfunding und CSR,
www.prikk.world/de/prikkblog/crowdfunding-und-csr

– Startnext Crowdfunding GmbH
www.startnext.com