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Nachhaltige Geldanlagen

Eine aktuelle Umfrage zeigt: die Deutschen wollen ihr Geld nachhaltig investieren, tun es aber nicht. Warum Anspruch und Wirklichkeit nicht zusammenpassen hat mehrere Gründe. Dabei könnten Investoren aktiven Einfluss auf ihre Lebenswirklichkeit nehmen – die Entscheidung für nachhaltige Geldanlagen macht dabei den feinen Unterschied.

Laut einer Untersuchung des Marktforschungsinstituts GfK im Auftrag des Instituts für nachhaltige Kapitalanlagen (NKI), ist das Interesse deutscher Anleger an nachhaltigen Kapitalanlagen durchaus beachtlich: Rund 40 Prozent finden nachhaltige Geldanlagen so spannend, dass sie dort ihr Geld investieren würden. Dennoch haben sich bisher nur 4,8 Prozent der Privatanleger für ein solches Investment entschieden. Nach Angaben des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG) lag das Gesamtvolumen in Deutschland 2016 bei 157 Milliarden Euro. Zwar hat der nachhaltige Anlagemarkt seit 2008 jedes Jahr stärker zugelegt als der konventionelle, aber mit 2,8 Prozent des Gesamtmarkts ist der Anteil der nachhaltigen Anlagen doch noch sehr gering und das vorhandene Marktpotential wird kaum ausgeschöpft.

Der Wille ist stark, aber das Fleisch ist schwach

Woran liegt es also, dass das Interesse der Deutschen an nachhaltigen Geldanlagen stark, aber ihre Investitionsbereitschaft schwach ist? Eine der Ursachen liegt wohl darin, dass darüber zu wenig Aufklärung am Markt stattfindet. Folglich gaben 40 Prozent der Befragten bei der GfK an, dass sie das Informationsangebot zu nachhaltigen Anlageprodukten als unzureichend empfinden. Außerdem: 35 Prozent können sich über die Wirkung ihrer Anlagen für eine nachhaltige Entwicklung keinen Reim machen. Der Initiator der Studie und Geschäftsführer des NKI, Rolf Häßler, kommentiert die Situation wie folgt: „Nachhaltige Anlageprodukte müssen transparenter werden, damit mehr Anleger in sie investieren. Die Anleger fordern zu Recht mehr Informationen darüber, wie nachhaltige Kapitalanlagen ihrem Anspruch gerecht werden und welchen konkreten Beitrag sie zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten.“ Folglich erwartet Häßler, dass sich Deutschlands Banken dem Thema künftig stärker annehmen werden, indem sie Anleger besser informieren und entsprechende Finanzprodukte lancieren.
Dass diese Annahme nicht unbegründet ist, erklärt Bernhard Brinker, Leiter Private Banking bei der HypoVereinsbank im Gespräch mit der Wirtschaftswoche: „Die Praxis zeigt, dass Anleger durchaus zu nachhaltigen Anlageprodukten greifen, wenn man sie im Kundengespräch auf diese hinweist und sie ihnen erklärt.“ Zudem kann es für Anleger auch in puncto Rendite Sinn machen, auf die Nachhaltigkeit der Angebote zu achten: „Es ist ein Irrglaube, dass nachhaltige Geldanlageprodukte bei gleichem Risikoprofil niedrigere Renditen abwerfen als klassische Produkte“, so Brinker. Vielmehr zeigen aktuelle Studien, dass die Beachtung ökologischer und sozialer Kriterien für Unternehmen von Vorteil ist und diese langfristig davon profitieren.

Anlagestrategien können je nach Finanz- produkt variieren

Nachhaltige Geldanlagen basieren in der Regel auf sogenannten ESG-Kriterien, aus dem Englischen übersetzt bedeutet das Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Dafür bestehen unterschiedliche Anlagestrategien: Beispielsweise schließen manche Fonds Investments bestimmter Industrien aus. Ein weniger strenger Ansatz ist die Best-in-Class-Strategie wonach Unternehmen gewählt werden, die ökologische und ethische Standards in ihrer Branche am besten umsetzen – Anlagestrategien können jedoch je nach Finanzprodukt variieren.
Seit etwa zwei Jahren weist das Siegel der FNG nachhaltige Geldanlagen im deutschsprachigen Raum aus. Fonds, die sich dafür bewerben, müssen Waffen und Kernkraft ausschließen. Außerdem müssen sie die vier Bereiche des Globalen Pakts zwischen den Vereinten Nationen und Unternehmen respektieren. Dazu zählen Menschen- und Arbeitsrechte, Umweltschutz sowie die Eindämmung von Korruption und Bestechung. Aktuell tragen 39 Fonds das FNG-Siegel.
Aber nur weil ein Investment zum Beispiel gut für den Klimaschutz ist, bedeutet es nicht, dass der Anleger damit einen sicheren Betrag erzielt. Besondere Vorsicht sollten Anleger bei Produkten aus dem grauen Kapitalmarkt walten lassen, wie bei Direktbeteiligungen oder Nachrangdarlehen. Denn bei diesen gering regulierten Anlageformen können Anleger unter Umständen ihr Geld komplett verlieren. Des Weiteren können auch bei Aktien kleinerer Unternehmen Liquiditätsengpässe an den Börsen entstehen. Das wird beispielsweise dann problematisch, wenn Anleger ihr Investment zum Verkauf anbieten wollen. Zusätzliche Kosten können auch bei Ökologiefonds entstehen, die einen Nachhaltigkeitsausschuss als Überwachungsgremium einsetzen oder externe Firmen für diese Aufgabe nutzen.

Fazit

Anleger sollten grundsätzlich Anbieter vorziehen, die über eine jahrelange Expertise verfügen oder Fondshäuser wählen, die sich auf das Nachhaltigkeitsthema spezialisiert haben.
Einen sehr guten Überblick über die Möglichkeiten in nachhaltige Geldanlagen geben ECOreporter.de (www.ecoreporter.de) oder GreenValue (www.greenvalue). Diese Branchendienste bündeln Informationen und bieten einen breiten Überblick über sämtliche Akteure am Markt und deren Leistungen. Die Lektüre empfiehlt sich vor allem jenen, die in Unternehmen, geschlossene Fonds, Aktien oder ähnliches investieren wollen.

Stephan Wild