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Im Sommer summen sie durch die Gärten, fliegen über Felder und Wiesen, von Baum zum Baum. Dabei küssen sie Blumen und Blüten, saugen Nektar mit ihren kleinen Rüsseln. Um die 0,05 Gramm kann eine Biene so transportieren. Im Bienenstock kommt der Blütensaft in eine Wabenzelle und wird zu Honig gemacht. Ein unglaubliches Naturschauspiel, dem wir uns hier etwas genauer widmen wollen. Denn Honig ist nicht gleich Honig. Es gibt einiges zu beachten beim Kauf von Bienenprodukten.                

„Bio“ und noch mehr!

Bei Honig auf „Bio“ zu achten, ist erst mal eine gute Voraussetzung, da mit dem Bio-Siegel fundamentale ökologische Dinge in der Erzeugung geregelt sind. „Dies betrifft die Beschaffenheit der Bienenwohnungen, die ökologische Qualität des Futters für Bienen und die ausschließliche Verwendung organischer Medikamente – wie zur Behandlung gegen die für Bienen gefährliche Varroamilbe“, sagt Albrecht Pausch vom „Bienenhof Pausch“ in Scheyern. Zudem sind die grundlegenden Regeln für die Beschaffenheit der genutzten Trachtpflanzen, also der Bäume und Blumen, ein wichtiges Thema. Und natürlich die Anforderungen an die Honigqualität bei den Bio-Verbänden. Aber auch die Entwicklung sozialer Richtlinien und die Einbeziehung der Bienen in die Tierwohldiskussion sollten eine Rolle spielen. Da müssen auch die Bio-Standards weiterentwickelt werden.

Ethische Imkerei

Bei Schweinen, Kühen oder Hühnern gibt es bereits relativ klare Standards und Regeln, wie ein respektvoller Umgang und eine artgerechte Tierhaltung aussehen. „Für Bienen, die ebenso zu den Nutztieren des Menschen gehören, gibt es sie leider nicht“, so Pausch. „Die Fachliteratur beschäftigt sich vor allem mit Fragen der Honigmaximierung und betrachtet Bienen wie einen Baukasten, den man nach Belieben manipulieren kann. Das ist nicht gut. Gerade die Bio-Imker sind hier gefordert, voranzuschreiten und etwas Verbindliches zu Papier zu bringen“. So sollte es ein Ziel sein, ein gesund aus dem Winter kommendes Bienenvolk auch wieder gesund in den kommenden Winter zu bringen. Eine Haltungsform, bei der Bienenvölker jedes Jahr aufgelöst und systematisch durch junge ersetzt werden, ist aus ethischen Standards nicht vertretbar. Es sollte beim Arbeiten an Bienen darauf geachtet werden, dass man aus Zeitgründen nicht billigend in Kauf nimmt, Bienen zu quetschen. Außerdem ist es nicht akzeptabel, dass Bienenvölker beim Honigsammeln spät im Jahr zu Tode kommen.

Grüne Wüste

Das Bienensterben ist eigentlich ein Insektensterben und betrifft neben den Honigbienen in vielen Bereichen auch die Wildbienen. Hauptursache sind schwindende Nahrungsgrundlagen durch eine intensive Landwirtschaft und die Verwendung von Pestiziden, die für Bienen gefährlich sind. Auch die Varroamilbe ist für den Tod von Bienenvölkern verantwortlich. Pausch betont: „Sie lässt sich aber bei entsprechender Schulung der Imker mit biologischen Mitteln und dem nötigen zeitlichen Aufwand gut bekämpfen. Ein großes Problem stellen die konventionell bewirtschafteten Ackerflächen dar. Dort gibt es kaum Kornblumen, Mohnblumen und andere Unkräuter, die die Grundversorgung vieler Insekten sicherstellen. Aber auch in der Bio-Landwirtschaft gibt es aus Imker-Sicht noch Verbesserungspotential“. So wird auch hier wie im konventionellen Bereich meist Silage gefüttert. Dabei werden die Wiesen so oft gemäht, dass nur noch wenige Wiesenblumen blühen. Man ist geneigt von einer grünen Wüste zu sprechen. Hier würde eine Umkehr hin zur Heuwirtschaft bei nur 3 maliger Mahd die Wiesen wieder bunter werden lassen. Der Verbraucher kann das unterstützen, indem er Produkte aus Heumilch kauft.

Propolis und Stadtimker

Honig ist also nicht gleich Honig. Mit Massenproduktion, Ausbeutung der Bienen und qualvoller Tierhaltung sollte er nichts zu tun haben. Und so stellen wir hier noch besondere Bienenprodukte vor: Klein aber fein sind da die „Stadtimker“ – ein offenes Netzwerk von Münchner Imkern. In der Stadt haben die Bienen nicht mit Flurbereinigung und Monokulturen zu kämpfen, mit Überdüngung und Herbiziden. Das verleiht dem Honig eine besonders hohe Qualität. Auf Wochenmärkten, in Apotheken oder direkt von der Imkerei im jeweiligen Stadtviertel wird der Schatz der Bienen verkauft.
Neben Honig gibt es auch noch andere Bienenprodukte. Wie zum Beispiel Propolis, auch Kittharz genannt. Das sammeln die Bienen an den Knospen und anderen Austrittstellen verschiedener Bäume (Pappeln, Roßkastanien, Birken oder Kiefern) und versetzen diesen mit körpereigenen Stoffen. Außerdem verschließen sie damit feinste Ritzen und kleine Öffnungen im Bienenstock. Bakterien, Pilze und andere Mikroorganismen können dadurch abgetötet werden. Propolis wird in der Alternativmedizin und Naturheilkunde verwendet, in Form von Lösungen und Salben, die antibakteriell und entzündungshemmend wirken und das Immunsystem stärken.

Die Maori und der Manuka-Baum

Die Südseemyrte, auch Manuka genannt, wächst in entlegenen Bergregionen auf Neuseeland. Strauch- und baumförmig wird sie bis zu vier Meter hoch und trägt eine schöne, kleine Blüte. Schon den Maori, den Ureinwohnern Neuseelands, war dieser Baum wohlbekannt. Sie nutzten die Blätter, Rinde und den Honig des Manuka-Baums äußerlich zur Desinfektion und Heilung von Wunden und Entzündungen sowie innerlich bei Erkältungen und anderen Infektionen.

Bienenbrot voller Vitamine und Enzyme

Bereits die Wikinger sollen es auf ihren langen Seefahrten zur Stärkung genutzt haben – der natürlich fermentierte Blütenpollen, auch Perga oder Bienenbrot genannt. Er dient eigentlich als Futtermittel für die Arbeiterinnen und die Brut von einem Bienenvolk. Es handelt sich um den Pollen von Pflanzen, also um Blütenstaub, der von der Biene gesammelt, mit ihrem Speichel angereichert und schließlich in den Bienenwaben eingelagert wird. Durch den Bienenspeichel wird der Blütenpollen auf natürliche Weise fermentiert. Ein zusätzlicher Überzug mit Propolis sorgt für eine längere Haltbarkeit. Die hochwertigen bioaktiven Pflanzeninhaltsstoffe des Blütenpollens enthalten pflanzliches Eiweiß, Vitamine und Enzyme. Bestens geeignet für eine natürliche Nahrungsergänzung.
Weitere Infos: www.mellifera.de, www.bienenhof-pausch.de, www.hoyer-honig.de, www.puralp.de, www.stadtimker.de

Sebastian Schulke