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Schönheit aus der Natur

Das Wort „ohne“ ist heute in allen Kosmetikregalen präsent. Da suggerieren Deos „ohne Aluminiumsalze“, Cremes „ohne Parabene und PEG“ oder Shampoos „ohne Silikone“. Auf den ersten Blick Eigenschaften, die den Verbraucher beruhigt zugreifen lassen – ohne weiter auf die Zutatenliste zu achten. Auch Begriffe wie „Mikroperlen“ sind so schöne Werbeworte, die kaum das umweltschädliche Mikroplastik dahinter vermuten lassen. Wer einmal die Strategien konventioneller Hersteller durchschaut hat, wird nur noch Naturkosmetik an seine Haut lassen.

Ewige Schönheit ist eine Sehnsucht, die wohl die meisten Menschen in sich tragen. Volles Haar, faltenfreie Haut oder jugendliche Ausstrahlung gehören zu den Attributen, die damit verbunden sind. Insofern funktioniert Werbung für Kosmetikprodukte auf eine subtile Art und Weise, die einen gar nicht erst die negativen Seiten hinterfragen lässt. Mal abgesehen davon ist die so genannte INCI Liste, die per Gesetz auf der Verpackung über die Inhaltsstoffe informiert, für jeden Nicht-Chemiker ein Buch mit sieben Siegeln. Die Internetplattform www.codecheck.de oder die ToxFox App des BUND bringen seit ein paar Jahren Licht ins Dunkel der Fachbegriffe und enttarnen so manches Schönheitselixier als gesundheitlichen und ökologischen Super-GAU. Ein aktuelles Beispiel ist Mikroplastik, das als billige Zutat in Peelings, Duschgels oder Zahnpasta porentiefe Reinheit schaffen soll und sich inzwischen nicht nur in den Meeren und ihren Bewohnern, sondern auch im menschlichen Blut nachweisen lässt.

Naturnah allein reicht nicht

Marktgrößen wie Yves Rocher oder Body Shop haben ihre Produkte durch den Verzicht auf „harte“ Chemie und geschicktes Marketing als vermeintlich „grüne“ Kosmetik etabliert. Mit dem ganzheitlichen Ansatz echter Naturkosmetik hat das jedoch nichts zu tun. Die Definition dafür ist im Jahr 2000 entstanden, als führende Hersteller gemeinsam mit dem BDIH (Bundesverband Deutscher Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren und Körperpflegemittel) eine einheitliche Richtlinie entwickelt haben. Darin ist nicht nur geregelt, welche Rohstoffe verwendet werden dürfen, sondern auch die Art und Weise ihrer Erzeugung und Verarbeitung. Diese Richtlinie setzt einen Standard, der Laverana, Logocos, Primavera, Santaverde, Wala (Dr. Hauschka) und Weleda noch zu wenig war. 2008 haben sie sich daher zum internationalen Verband NaTrue zusammengeschlossen, der seither zwischen Naturkosmetik, Naturkosmetik mit Bio-Anteil und reiner Bio-Naturkosmetik unterscheidet. So verschieden die Anforderungen dieser und weiterer Verbände auch sind, gibt es doch einen kleinsten gemeinsamen Nenner: Naturkosmetikprodukte bestehen vor allem aus pflanzlichen und mineralischen Zutaten und enthalten weder Silikone, Paraffine oder Mineralöle noch Zutaten toter Tiere oder synthetische Farb- und Duftstoffe. Und damit sind sie konventionellen Produkten in jeder Hinsicht vorzuziehen.

Vegane Konzepte im Trend

Die Kosten für Zertifizierung und Kontrollen sind nicht ganz unerheblich. Daher gibt es etliche kleinere Hersteller, deren Produkte auch ohne Siegel alle Voraussetzungen für echte Naturkosmetik erfüllen und darüber hinaus oft besonderen Mehrwert bieten. Die noch junge Manufaktur myrto-naturalcosmetics aus Bergisch-Gladbach gehört dazu. Gründerin Eva Silvana Kruck hat ein Pflegekonzept entwickelt, das sich besonders für sensible und problematische Haut eignet, da es keine Emulgatoren enthält. Getreide- und Fruchtfasern halten stattdessen die öligen und wässrigen Bestandteile der Produkte zusammen und bewahren auf diese Weise die natürliche Barriereschicht der Haut.

Ein wichtiges Thema am Naturkosmetikmarkt ist auch die Entwicklung veganer Produkte, die keinerlei tierische Inhaltsstoffe enthalten. Provida Organics aus dem nordrhein-westfälischen Geseke beispielsweise hat auf der diesjährigen Vivaness eine vegane Demeter-Produktlinie mit Gesichts- und Körperpflege sowie Deos präsentiert. Wie groß der Markt veganer Naturkosmetik bereits ist, zeigt www.purenature.de/naturkosmetik-vegan. Hier gibt es von Gesichtspflege über Sonnenschutz bis zu Make-up alles, was die Haut begehrt.

Innovationen in der Pflege

Gerade für empfindliche Haut bietet das Naturkosmetiksortiment optimale Lösungen. Die Kieler Marke Oceanwell setzt dabei auf die Mineralien und Spurenelemente des Meerwassers, ozeanisches Kollagen und nachhaltig angebaute Laminaria-Algen. Ganz frisch am Markt ist ihre Serie Biomarine Cellsupport, die speziell für Menschen entwickelt wurde, die zu Irritationen bis hin zur Neurodermitis neigen.

Duftstoff- oder Silikonallergien, Glutenunverträglichkeit und vor allem Salicylatsensitivität sind Probleme, denen mysalifree Rechnung trägt. Das Konzept dahinter: alles weglassen, was die Gesundheit in irgendeiner Weise ungünstig beeinflussen und Überempfindlichkeitsreaktionen hervorrufen kann. Und dazu gehören neben ätherischen Ölen, Farb- und Duftstoffen auch Parabene und Paraffin. Stattdessen beschränkt sich der österreichische Hersteller auf das Wesentliche und verwendet nur hochwertige, natürliche Rohstoffe.

Mit ihrer „No Perfume“ Linie wendet sich Urtekram an alle, die auf Duftstoffe verzichten müssen – oder wollen. Für Erwachsene bieten die Dänen ein komplette Reinigungs- und Pflegelinie bis hin zum Deo Roll-on. Speziell für Babys und Kleinkinder gibt es Waschgel, Körperlotion, Körperöl und eine hautberuhigende Zinkcreme.

Neuheiten für Sonnenanbeter

eco cosmetics schenkt dem wichtigen Thema Sonnenschutz ihr besonderes Augenmerk und hat eine komplette Serie mit natürlichen Lichtschutzfaktoren entwickelt, die in diesem April um einige Neuprodukte erweitert wurde. Mit den Sonnenlotionen Surf & Fun sowie Snow & Fun hat sich der Laatzener Hersteller speziell auf die Bedürfnisse von Wasser- bzw. Bergsportlern eingestellt. Neu sind außerdem die mückenabwehrende Sonnenlotion „no Biocide“ und die Eco Compact Foundation mit Lichtschutzfaktor 30.

Auch Branchenpionierin Martina Gebhardt stellt sich mit ihrer Summer Time Serie auf die schönste Zeit des Jahres ein. Dabei setzt sie auf Topinambur, die auf sonnengestresste Haut reizlindernd, regenerierend und feuchtigkeitsspendend wirkt. Zum Sortiment gehören neben Summer Time Cream, Body Oil, Face & Body Aftersun und Face & Body Lotion auch Summer Time Caps. Mit ihrem leicht tönenden Konzentrat aus vitaminreichen Samenölen sorgen die Kapseln für einen gleichmäßigen Teint und dienen als Kur nach der abendlichen Reinigung.

Von der belgischen Firma Biosolis kommt die erste komplett zertifizierte Bio-Sonnenschutzserie für Kinder und Erwach-sene. Die mineralischen Produkte basieren auf hochwertigen, ökologisch hergestellten Pflanzenölen und schützen die Haut vom Auftragen an. Aloe-Vera-Gel wirkt zusätzlich beruhigend und pflegend.

Claudia Mattuschat